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Fjørt und "belle époque": Von einer Gesellschaft in der Paralyse

21.02.2026 | Frank Diedrichs

Vier Jahre nach "nichts" treten Fjørt mit "belle époque" noch weiter aus der der inneren Reflexion heraus und werden in ihrer politischen und gesellschaftlichen Kritik zu historischen Mahnern. Dabei zeigt sich der Post-Hardcore-Sound der Band dramatischer und kontrastreicher und schafft musikalische Spannungsbögen von trügerischer Ruhe und brachialer Verzweiflung.
©
Spotify

Mit Belle Epoque entwerfen Fjørt kein nostalgisches Panorama einer verlorenen Glanzzeit, sondern die Diagnose einer Gegenwart, die ihre Stabilität eingebüßt hat, ohne es sich eingestehen zu wollen. Der Titel wirkt dabei wie eine historische Täuschung: als hätte man eine Epoche des Wohlstands rückblickend zum Normalzustand erklärt, obwohl sie vielleicht nur eine gut beleuchtete Ausnahme war. Man bedenke, dass die namensgebende Belle Époque (1895 – 1914) im Ersten Weltkrieg mündete; die erste „pech-schwarz-ära“, die Ur-Katastrophe des 20. Jahrhunderts.

Dass diese Beleuchtung erlischt, zeigen die Songs an konkreten Bruchstellen. Wenn in messer ein „Kyjiw Mule“ (ein ukrainisches Solidaritätsgetränk) auftaucht und die Zahl 1987 fällt, die Entfernung zwischen Aachen und Kiew, wird Krieg aus der Nachrichtenferne zurück in den Radius des eigenen Alltags gezerrt. Die Botschaft ist klar: Distanz ist keine moralische Entlastung. Hoffnung erscheint hier nicht als Ressource, sondern als Schlachtfeld, auf dem man verwundbar wird. Wut dagegen bleibt griffbereit, wie ein Messer eingeklappt, ungenutzt — vielleicht weil sie keinen Adressaten mehr kennt.

Überhaupt interessiert sich dieses Album weniger für Explosion als für Lähmung. hertz arbeitet mit Wahrnehmungsgrenzen, mit Frequenzen, die man eher körperlich spürt als bewusst registriert und mit Sätzen wie „my body can’t take it“, die wie Kapitulation klingen. Die Metapher der Schlafparalyse, die am Ende in nacht auftaucht, wird so zum Schlüsselbild: eine Gesellschaft im Zustand zwischen Wachheit und Handlungsunfähigkeit, der erschreckend gut zur Zeit passt, in der jeder alles weiß, empört ist — und trotzdem reglos bleibt.

Dass diese Starre historisch grundiert ist, macht 43 deutlich. Der mögliche Verweis auf den Aufstand im Warschauer Ghetto 1943 stellt die unangenehme Frage, ob Erinnerung tatsächlich vor Wiederholung schützt oder sie längst zu einem blassen Ritual geworden ist. Der Ruf nach Widerstand klingt hier nicht mutig, sondern verzweifelt — als würde man ahnen, dass die Mechanismen der Vergangenheit längst wieder greifen („wir leben wieder in Hakenkreuzzeiten“), während die Sprache des Widerstands scheinbar verlernt wurde. Wir alle müssen uns die entscheidende Frage stellen: Reicht es noch, nur dagegen zu sein?

In der Gegenwart angekommen, wird das Album noch konkreter. mir bündelt autoritäre Politik, rechte Verschiebungen, europäische Abschottung und gesellschaftliche Gleichgültigkeit zu einem Panorama, das keine Distanz mehr zulässt. Wenn dort Rettung im Mittelmeer eingefordert wird, richtet sich das nicht an Regierungen, sondern an eine Öffentlichkeit, die sich längst daran gewöhnt hat, Katastrophen zu konsumieren wie Nachrichtenclips. Nur, wie in ær deutlich wird, ist es irgendwann zu spät, zu handeln – „und wenn wir dann könnten, dann können wir nicht mehr“.

Auch rott und danse lassen keinen Zweifel daran, dass die Konfliktlinien nicht nur geopolitisch verlaufen, sondern mitten durch die Gesellschaft. Nationalismus, patriarchale Rückfälle und digital organisierte Misogynie erscheinen hier nicht als Randphänomene, sondern als Symptome einer Zeit, die sich rückwärts bewegt, während sie Fortschritt behauptet. Dass dabei popkulturelle Referenzen und feministische Gegenstimmen wie Petrol Girls („touch me again and I’ll fucking kill you“) auftauchen, wirkt weniger wie Hoffnung als wie der Hinweis darauf, dass Widerstand heute oft in Subkulturen stattfindet, während die Mitte schweigt.

22.30 verschiebt den Fokus schließlich auf die soziale Dimension dieser Krise. Der Blick auf Reichtum, medial-orbitale Inszenierung und die Ökonomie der Aufmerksamkeit zeigt eine Gesellschaft, die sich lieber mit der Angst beschäftigt, etwas zu verpassen, als mit der Frage, was eigentlich verloren geht. Selbst die Transzendenz, die in kalie [in der amerikanischen Kultur verwurzelter Name mit der Bedeutung „Wer ist wie Gott?“] kurz aufscheint, wirkt wie eine verlassene Kontaktstelle: Wenn Gott hier eine Rolle spielt, dann als Symbol für Abwesenheit.

Dass dem Rückzug in yin kein „Yang“ folgt, ist deshalb nur konsequent. Dieses Album glaubt nicht mehr an Balance. Es beschreibt eine Welt, in der Anpassung zur Überlebensstrategie geworden ist und Resignation wie Vernunft erscheint.

Musikalisch übersetzen Fjørt das in extremere Dynamiken als in den Vorgängeralben: fragile und düstere Ruhe, die jederzeit von massiven Gitarren zerstört werden kann, und eine Stimme, die zwischen Kontrolle und Kontrollverlust pendelt. Diese Songs wollen nicht beruhigen. Sie wollen festhalten, wie sich Unruhe anfühlt.

Am Ende bleibt deshalb kein Trost, sondern eine Zumutung. Belle Epoque verweigert die Erzählung, dass Krisen Übergänge zu etwas Besserem seien. Stattdessen legt es offen, wie bequem es geworden ist, im Zustand der Dauerkrise zu leben.

Vielleicht ist das die verstörendste Erkenntnis dieser Platte: Nicht, dass sich die Welt verändert hat, sondern dass wir gelernt haben, uns mit dieser Veränderung einzurichten. Dass die eigentliche Lähmung nicht darin besteht, nichts tun zu können —
sondern darin, nichts mehr tun zu wollen, solange die Katastrophe noch weit genug entfernt wirkt, um sie als Hintergrundrauschen zu überhören.

9.3

Wertung

belle époque hat mich vom ersten Track an umgehauen: textlich, musikalisch und vor allem emotional. Das schonungslose Spiegeln und die sinkende Wahrnehmung für Verantwortung und Widerstand legten den Widerspruch zwischen meiner Attitüde und meinem realen persönlichen Handeln schonungslos und schmerzhaft offen. Die spürbare Hilflosigkeit in den ruhigeren Passagen und die anschließende Brachialgewalt des Fjørt’schen Post-Hardcore wirken zermürbend, müssen aber ausgehalten werden, damit die Botschaft nicht im leeren Raum verhallt. Und auch wenn es erst Februar ist, muss ich diese Phrase raushauen: Ein absoluter Kandidat für das Album des Jahres…
Frank Diedrichs
9

Wertung

Fjørt machen einen Wandel durch, welcher unabdingbar ist. Nicht nur besteht der Albumtitel unerwartet aus zwei Worten, nein, die Band aus der Kaiserstadt äußert sich hier fast ausnahmslos und ohne Metaphern politisch. Das passierte bei den Konzerten zwar öfters, jedoch wurde die Musik selbst bis auf ein paar Ausnahmen ausgeklammert, was das angeht. Textlich on point, musikalisch pompös, drückend und überraschend, und die Moral stimmt bis zum letzten Zünglein an der Waage. Kusshand, Schluss.
Dave Mante

Frank Diedrichs

Frank lebt seit über zwanzig Jahren in der Mitte Niedersachsens und unterrichtet Kinder und Jugendliche an einer Oberschule. Nach seiner musikalischen Erstprägung durch die Toten Hosen und Abstürzenden Brieftauben erweiterte er seine Hörgewohnheiten: Folkpunk, Singer-/Songwriter, Blues, Deutschpunk, US-/UK-Punk. Dabei kommt von Johnny Cash über The Beatles und Pascow bis hin zu Marvin Gaye eine Menge Vielfalt aus den Boxen, am liebsten als Vinyl.

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