Itchy und "Happy Little Accidents": 25 Jahre, zehn Alben, EIN Gefühl.
23.10.2026 | Mark Schneider
Etwa sechs Wochen vor dem Release von "Happy Little Accidents" durfte ich Itchy noch auf dem Pell-Mell Festival auf der Bühne sehen. Das neue Album kannte ich zu diesem Zeitpunkt schon (falls noch jemand ein Argument sucht um sich bei diesem tollen Fanzine hier zu bewerben!), sodass diese Festivalshow meine Vorfreude auf die Platte noch einmal auf die Spitze trieb. Die Band spielte natürlich nur die bereits veröffentlichten Songs und fokussierte sich festivaltypisch eher auf die bereits erschienenen Hits, alle anderen neuen Titel hörte ich seitdem noch unzählige Male für mich im stillen Kämmerlein beziehungsweise in meinem nicht allzu stillen Auto.
Ob zwischendurch deutschsprachig oder wie auf dem (grandiosen) Vorgänger "Dive" wieder auf Englisch: Itchy haben sich in 25 Jahren einen unverkennbaren Sound aufgebaut, den auch das neue Album nicht vermissen lässt. "Dive" stellte meinen zugegeben späten Erstkontakt mit der Band dar, den mir der Hausmeister des Fanzines beim Frühstück aufquatschte. Da es heute um "Happy Little Accidents" gehen soll: Das Album bietet zwölf Titel sowie 37 Minuten Spielzeit. Das sind ganze acht Minuten mehr, als das aktuelle Album von Casper zu bieten hat. Das einfach einmal als Bekenntnis zu Vergleichen, mit denen bei unnützem Wissen zu punkten ist. So viel zu den Rahmenbedingungen, nehmen wir nun die Platte genauer unter die Lupe.
Wenn eins nach 25 Jahren feststeht, dann dass eine Band wie Itchy mittlerweile weiß, wie der Hase läuft und in welchem Sound man sich am wohlsten fühlt. Musikalisch und politisch hat man sich längst und lautstark positioniert, das Album liefert ohne Features oder Experimente genau das, was wir erwarten durften. Spätestens wenn im Opener "Tribute Song" das erste "Where is my mind?" ertönt, stellt sich bei mir dieses Gefühl ein, welches mir Itchy auch bei ihren Auftritten immer wieder geben können. In diesen Momenten weiß ich gar nicht so richtig, ob ich still genießen oder doch lieber breit grinsen soll. Sorgen und Alltag dürfen aber getrost aus den Gedanken verbannt werden, und auch dafür darf Punk manchmal da sein, Pop-Punk erst recht! Wer hinter der Passage zur genannten Zeile aber ein Indiz für ein entspanntes Album vermutet, liegt daneben: Bereits "Connecting The Dots" stellt als deutlich gitarrenlastigere Nummer ein Gegengewicht dar, welches als Beispiel für die Ausgewogenheit auf "Happy Little Accidents" stehen darf.
Itchy sind und bleiben in erster Linie eine Band zum Mitsingen bei gleichzeitiger Bewegung (aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass das in einem überhitzten Bürgerhaus nicht ganz ohne sein kann). Beim Song "Today" passiert mir das Mitsingen nicht nur bei den Texten, sondern lustigerweise auch bei den Keyboards. "Kill The Party", "Shit Gets Real" und "Bleeding Heads and Heart Attacks" kann ich mir bereits zu gut in den folgenden Setlisten der Band vorstellen, um am Ende nicht darauf zu landen. Und auch wenn das Album nach hinten raus etwas austrudelt, findet sich in der zweiten Hälfte noch mein heimlicher Favorit "Oh Boy". Vor allem bei diesem Lied stellt es sich dann wieder ein, mein ganz spezielles Itchy-Gefühl. Also lächeln, genießen und den Rest der verrückten Welt ganz kurz vergessen – Danke, Hausmeister Marco.
Wertung
Es ist immer wieder schön, wenn Bands qualitativ an das bisherige Werk anschließen können. Itchy versüßen uns den Herbst mit einem Album, welches von seiner Balance lebt und mit einigen markanten Songs und Stellen punkten kann. Was soll ich sagen? Ich bin Fan!
Mark Schneider
In Marks ländlicher Heimat fährt der letzte Bus kurz nach der Tagesschau (die um 20:00 Uhr). Die Nähe nach Köln, Frankfurt oder Wiesbaden hält ihn jedoch nicht davon ab, ständig auf Achse zu sein. Ob kleine Acts im Club oder Musikgiganten vor Tausenden: Besucht wird, was laut ist und Spaß macht! Dabei sind im Genre (fast) keine Grenzen gesetzt.