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Massendefekt und "Massendefekt": Sichere Bank!

14.09.2026 | Mark Schneider

2026 scheint so ein Jahr der Jubiläen zu sein. Massendefekt reihen sich ein und feiern ihr 25-jähriges Bestehen mit dem gleichnamigen Album und einem ganz besonderen Bonbon: "Massendefekt" erscheint gemeinsam mit einer Coverplatte, auf der verschiedene Künstler*innen Songs der Düsseldorfer ganz neu interpretiert haben.

Diese Band bleibt für mich einfach eine sichere Bank. Wir verfolgen seit vielen Jahren Veröffentlichung über Veröffentlichung und genossen die Band auf Festivals oder vergangenen Touren. Nun erscheint die siebte Veröffentlichung (angefangen mit "Tangodiesel"), seit ich vor etwa 16 Jahren zur Musik von Massendefekt gefunden habe. Ausnahmslos alle sieben Alben seit diesem Zeitpunkt haben es auf meinen Plattenteller geschafft, "Massendefekt" ist hier keine Ausnahme und wurde bereits bestellt, bevor die ersten Singles überhaupt angehört waren. Der Kredit, den die Band sich mit dem letzten Album "Lass die Hunde warten" bei mir erspielt hat, ist wohl noch nicht genug aufgebraucht, um nicht blind zuzuschlagen. Die Messlatte lag also hoch, als das neue Album seinen ersten Vorboten "Brandung", "Voll daneben, halb OK!" sowie "Allein" schickte.

Während die ersten beiden als recht gut mitsingbare, durchaus poppige Nummern daherkommen, kreierte "Allein" meinen ersten wirklichen Aha-Moment! Massendefekt nehmen hier gegenüber den beiden anderen das Tempo heraus und schaffen dafür umso mehr Tiefe im eigenen Sound. Im Großen und Ganzen zeigt sich nach Betrachtung der gesamten Platte vor Allem, dass die Band mittlerweile eine gewisse Routine entwickelt hat. Die Kritiken zum Vorgängeralbum waren gut, man fühlt sich daher in der eigenen Komfortzone natürlich ein Stück weit wohl. Diese Vorzeichen bieten kaum Anlass für Experimente, sodass Massendefekt die eigene Fanbase auch mit dem neuen Album durchweg begeistern sollte.

Kaum Anlass für Experimente? Dazu gleich mehr. Spannend sind nämlich auch die gewählten Themen, die mich aktuell umso mehr erreichen. "Revolution X Alltag" mit fast schon ungewohnten Ska-Klängen behandelt den Spagat zwischen dem Willen zum Widerstand und der schlichtweg fehlenden Zeit dazu ("Ich wollte brennen, wollte stürmen, doch ich stehe nur auf dem Feld!"). Die Bläserklänge stehen dem Titel richtig gut und sind es wert, hier betont zu werden. Auch "Zu alt für Rock 'n' Roll" hört man als Phrase nicht zum ersten Mal, doch auch hier musste ich direkt an die Rückschmerzen denken, die auch mir das eine oder andere Konzert in der letzten Zeit beschert hat. Deswegen damit aufzuhören ist wohl weder für Sebi, noch für mich eine Option. Bei diesem Song ist es spannenderweise ebenfalls der Offbeat-Sound, der bei mir auf OFF-ene Ohren stößt - War der Gag gut? Ganz ohne Ska-Elemente kommt "Papageientaucher" aus, der sich schon mit dem ersten Anhören des Albums zu meinem Favoriten entwickelt hat. Beim Schreiben dieser Zeilen habe ich versucht die genauen Gründe zu definieren, die diesen Titel für mich so besonders machen: Außer dem Energieschub, mit dem der Refrain einsetzt, kann ich nichts brauchbares in Worte fassen. Vielleicht ein guter Hinweis darauf, gute Musik auch einmal einfach nur gute Musik sein zu lassen, ohne diese kaputtzudiskutieren.

Dann wäre da ja auch noch das erwähnte Bonbon! Wer beim Streamen nicht aufpasst und nicht gerade zum Wechsel der Schallplatte gezwungen wird, kann sich schnell darüber wundern, was ab "Aus der Hölle" auf diesem Album passiert. Die für diesen Titel formierte "Alex Montreal Gang" gräbt die Melodie zu "In die Hölle" aus dem Jahr 2018 aus und rechtfertigt die nun folgende Coverplatte mitsamt der beteiligten Künstler*innen. Bei "Sag mal: Weinst du, oder ist das dein Altbier, dass dir wie Tangodiesel von der Nase perlt?" wurde auch mein Grinsen mitsamt der Vorfreude auf die folgenden elf Nummern immer größer. Emil Bulls nehmen sich dem oben gelobten "Allein" an, Kasalla bringen Kölsche Vibes ins Düsseldorfer Bandjubiläum, ENGST vertonen "Singend durch die Hölle" auf sanfte Art und Weise. Weiterhin beteiligt sind Dritte Wahl, Swallow's Rose, Elfmorgen, GAMMA BRAIN, Korsakow und Die Mimmis. Etwas aus der Reihe tanzt B-Tight mit seiner Interpretation von "Echo" und als meinen Favoritwn möchte ich "Wellenreiter" von Betontod nennen, die sich zwei Wochen vor ihrem eigenen Release mit ihrer Version des ersten mir (seit 2010) bekannten Songs von Massendefekt Gehör verschaffen.

7.8

Wertung

Vor über dreizehn Jahren schleppte ich eine signierte Vinyl des Albums "Tangodiesel" aus einem Elektronikmarkt in der Düsseldorfer Königsallee. Wahrscheinlich wissen weder dieses Album, noch ich selbst, was wir damals dort zu suchen hatten. Mit dieser zufälligen Begegnung begann meine Begeisterung für die Musik von Massendefekt, die bis zum aktuellen Bandjubiläum und dem gleichnamigen Album ungebrochen anhält. Auch wenn "Lass die Hunde warten" in der Breite vielleicht einen Hauch runder war, so braucht sich "Massendefekt" vor allem durch die beiliegende Coverplatte keineswegs zu verstecken.
Mark Schneider
7.5

Wertung

Massendefekt bleiben Massendefekt - und das ist durchaus als Kompliment gemeint. Der Sound mag innerhalb der Diskografie Variationen aufweisen, aber im Grunde trifft ihre Musik mich immer wieder auf’s Neue ins Tanzbein. Auch textlich finde ich mich in den Songs des neuen Albums wieder: „Revolution x Alltag“, „Unbedingt verpassen“ oder auch „Zu alt für Rock‘n‘Roll“ findet täglich in Reallife statt. Und „Kippenlänge“ hat mich sogar für einen ganz kurzen Moment wehmütig gemacht, als ich an die ganzen Gespräche denken musste, die ich bei der letzen Kippe des Abends geführt habe. War Echos mein Start in den Kosmos der Band, ist das neue Album ein guter Grund mit der Band weiterzureisen.
Frank Diedrichs

Mark Schneider

In Marks ländlicher Heimat fährt der letzte Bus kurz nach der Tagesschau (die um 20:00 Uhr). Die Nähe nach Köln, Frankfurt oder Wiesbaden hält ihn jedoch nicht davon ab, ständig auf Achse zu sein. Ob kleine Acts im Club oder Musikgiganten vor Tausenden: Besucht wird, was laut ist und Spaß macht! Dabei sind im Genre (fast) keine Grenzen gesetzt.

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