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Queens Of The Stone Age und "Perfecth": Die gute alte Zeit

26.10.2026 | Nataly Sesic

Zum 30. Jubiläum der Band veröffentlichen Queens Of The Stone Age ein neues Album, welches Imperfektion und Resilienz feiert. Kein Wunder: In ihrer langen Bandgeschichte standen Queens Of The Stone Age immer wieder kurz vor dem Bruch. Das entstandene Album ist ein Plädoyer für den Mut, weiterzumachen.

In einem Interview mit DECIBEL von 2011 sagt Queens Of The Stone Age-Frontmann Josh Homme, er habe kein Interesse an Nostalgie: "I think now is the best thing that you’ll ever get, and that’s all you’ll ever get," sagt er damals. Doch die Zeit macht uns alle nachdenklicher. 

Nostalgie ist aktuell und in den letzten Jahren ein großes Thema in den Medien: das Verzehren nach den guten alten Tagen, in denen wir alle jünger waren, unbedarfter, weniger verbittert und überstimuliert. Vielleicht waren wir aber auch einfach nur Kinder. Und während die großen Medienkonglomerate das ausnutzen, um uns das Geld mit Remakes unserer Kindheitslieblinge aus den Taschen zu ziehen, blicken auch Künstler:innen zurück auf diese schöne neue Welt – privat wie professionell – und fragen sich, wo die Jahre geblieben sind. Das neue Album von Queens Of The Stone Age knüpft einen roten Faden der Nostalgie, der sich liebevoll fragend durch die gesamte Tracklist zieht. 

Es ist bemerkbar, wie simpel "Perfecth" klingt. Keine dramatischen Ouvertüren, keine elektronischen Experimente, keine inhaltlichen oder stilistischen Sprünge. In der Tat transportiert das Album, das in mehreren Tonstudios, inklusive Hommes Heimstudio, aufgenommen wurde, geradezu einen DIY-Charakter. Kompetent und doch unpoliert. Künstler, die schon Jahrzehnte am Werk sind, und – salopp gesagt – einfach so weitermachen. Es ist eine interessante Perspektive. Im Interview spricht das musikalische Schweizer Taschenmesser der Band, Dean Fertita, über das Ende der "Catacombs"-Tour, über die fragende Leere, die sich am Ende dieser Reise aufgetan hat. Damals hat er sich still gefragt, wie – und ob – es mit Queens Of The Stone Age weiter geht. 

Es klingt wie der Klimax eines Hollywood-Films: In Momenten wie diesen eröffnet sich die Frage, ob man die Sache ruhen lassen, oder nochmal alles, was man hat, in das Projekt stecken soll. Und Queens Of The Stone Age haben sich für den dritten Weg entschieden: Selbstbewusstsein und Ruhe. 

©
Andreas Neumann

Der Fokustrack "Insignificant Other" fühlt sich besonders roh an, und das ist kein Zufall: Der Song ist in nur zwei Takes im Studio entstanden. Fertita erzählt mir im Interview, dass die Arbeit an "Insignificant Other" so besonders war, weil die Version, die auf dem Album gelandet ist, einzigartig ist. Sicher hätte man einen besseren Take machen können, sicher hätte man mithilfe von ProTools alles glätten und perfektionieren können. Doch eben die Entscheidung, den Track so natürlich zu belassen, macht es zu einem seiner liebsten Tracks auf "Perfecth". 

"Insignificant Other" steht für alles, was das Album auszudrücken versucht: Wahrheit vor Perfektion, Kraft aus Zerbrechen. Die "Catacombs"-Tour war für diese Entwicklung ausschlaggebend. Ihren weitläufigen Katalog musikalisch reduziert neu zu interpretieren, hat die Band an den Kern erinnert, der sie all die Jahre begleitet und inspiriert hat.

"Perfecth" ist weder die klassische "Rückkehr zur alten Form" noch ein Experiment in der langen Diskographie von Queens Of The Stone Age. Es fühlt sich vielmehr an wie eine natürliche Fortsetzung einer geraden Linie – was nicht ferner von der Wahrheit sein könnte, wenn man die Bandgeschichte von Queens Of The Stone Age betrachtet. 

Im Jahre 2026 ist Homme das einzige noch übrige Gründungsmitglied der Band. Über Jahre und Jahrzehnte, Pausen, Trennungen und Tode von Bandmitgliedern hinweg, ist Queens Of The Stone Age und ihr musikalischer Output überraschend konform geblieben. Das mag negativ klingen, schließlich ist die Band aktiv seit 1996; eine Veränderung ist zu erwarten, vielleicht sogar gefordert. Und ja, Veränderung gab es immerzu. Doch Homme und die Band haben sich ihren Kern behalten, und dieser klingt ideell wie künstlerisch auch nach 30 Jahren nach. 

Fertita bezeichnet diesen Kern in unserem Gespräch als eine Art radikale Akzeptanz; jeder in der Band darf sein, wie er oder sie will. Und diese Freiheit im Umgang miteinander und der Kunst ingesamt, erlaubt es jedem von ihnen, sich zu dehnen, ohne eine Überdehnung zu erzwingen. 

Beste Tracks: Insignificant Other, From The Cliff, Easy Street

8

Wertung

"Perfecth" ist inspiriert von der japanischen Kunst des Kintsugi, einer Technik, bei welcher Risse in Keramik mit Gold und Silber repariert werden, um die Schönheit menschlicher Resilienz zu feiern. Und in diesen 30 Jahren mussten Queen Of The Stone Age viel Resilienz zeigen. Was aus dieser Reise und der Besinnung für Imperfektion entstanden ist, ist ein Album, welches menschliche Fehler umarmt, statt sie zu verstecken. Düster, absurd, roh und einfach: Diese vier Begriffe bezeichnen "Perfecth", und so negativ sie im Alltag gebraucht werden, so sehr loben sie das Album.
Nataly Sesic

Nataly Sesic

Unter Freund:innen weiß man: Wenn du neue Musik auf die Ohren brauchst, fragst du Nataly. Als Maximalistin im wahrsten Sinne des Wortes liebt sie „too much“: sei es Pop der 2010er, Rock der 80er oder mysteriöse Subgenres irgendwo zwischen tumblr und Totalausfall; Nataly hat dazu eine Meinung - und sicher einige Fun Facts parat. Wenn sie nicht gerade auf einem Konzert ist, macht Nataly die Hallen ihrer Universität unsicher, schreibt oder liest Bücher oder hat selber die Gitarre in der Hand.

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