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Konzertbericht

Destivalbericht: 20 Jahre Destination Anywhere!

03.09.2026 | Mark Schneider

Um 20 Jahre Bandgeschichte gebührend zu feiern, laden Destination Anywhere nicht nur vier weitere Bands, sondern auch ihre Feiergemeinde nach Siegen ein. Wir erzählen die Geschichte eines nicht ganz alltäglichen Samstag im Vortex Surfer Musikclub.

Vor dem Wetter ist man im und vor dem Vortex dank einer Zeltkonstruktion im Eingangsbereich bestens geschützt. Dass die ersten Partygäste bereits am frühen Nachmittag trockenen Fußes den Club erreichen, nimmt jede*r hier natürlich trotzdem gerne mit. Lange saßen wir Fans auf glühenden Kohlen, viele Worte über den heutigen Tag verloren wir bereits vor fast zwei Monaten mit Sänger David im Plattensprung Podcast, und nun soll das Bandjubiläum endlich gemeinsam gefeiert werden. Aus diesem Anlass stehen heute nicht nur Destination Anywhere als Headliner ihres eigenen Destivals, sondern auch vier weitere Bands auf der Bühne: True Shit, Lyron, Hear Olympia sowie Datenschmutz.

©
M. Schneider

Wir nehmen den Fokus heute erst einmal weg von Setlists oder Anekdoten der Konzerte und widmen uns der Liebe zum Detail, mit der Destination Anywhere diesen Tag vorbereitet haben. Neben dem Gruß in Form des Willkommensbanners bekommen wir direkt am Einlass ein eigenes Festivalbändchen mit Bandlogo sowie schwarzen Herzen auf Regenbogenmuster angelegt und bevor wir überhaupt an der Bar angekommen sind, biegen wir in die von der Band geschaffene Musuemsecke ab. Hier finden sich unzählige Fotos aus 20 Jahren Bandgeschichte an der Wand, zudem einige Utensilien wie eine von David getragene Krawatte oder die Maske, die als Inspiration für das Cover des Albums "Unter den Wolken" diente. An der Bar selbst gibt es heute neben einer Getränkekarte mit Empfehlungen der Bandmitglieder eigene für die Veranstaltung erstellte Becher, die gegen Pfand ausdrücklich als Erinnerung mit nach Hause genommen werden dürfen. Am Merchstand nehmen wir an der Tombola gegen eine freiwillige Spende teil und gewinnen eine Vinyl der Band, zwei Setlists des späteren Konzerts sowie Tourplakate und verpassen nur knapp die Gewinne in Form von Plektren von Tim oder Drumsticks von Schlagzeuger Köhler. Den Shot Mexikaner verpassen wir sogar glücklicherweise. Vor der Tür grinsen wir noch schnell in die Kamera der Fotobox und stecken die dort enstandenen Bilder als Erinnerung ein. Beinahe hätten wir vor lauter Rahmenprogramm vergessen, dass die Bands im Club längst spielen.

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Lars May

Die Bands True Shit und Lyron kommen aus der Region und sind im näheren Umfeld von Destination Anywhere anzusiedeln. Dabei waren True Shit bereits als Vorband bei früheren Auftritten im Vortex am Start, mit Lyron teilt man sich sogar den Bassisten, auch wenn Andre in langer Hose und als Leadsänger kaum wiederzuerkennen ist. Die Hose bleibt ein Gag, der sich zwischen den Musikern von Lyron aber auch später bei Destination Anywhere durch den Abend ziehen wird, ist die kurze Sporthose doch längst Andres Standardoutfit bei den "Destis" geworden. Um mehr über Andres Weg zu Destination Anywhere oder das Verhältnis zwischen beiden Bands zu erfahren, möchten wir euch an dieser Stelle wärmstens den Jubiläumspodcast der Band selbst ans Herz legen, der in fünf Folgen die vergangenen 20 Jahre aufarbeitet. Am Abend des Destivals erscheint zudem die neue Lyron-Single "Motions", die nach diesem Auftritt mit Ansage den Weg in meine Punkrock-Playlists finden wird.

Lyron

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Lars May

Hear Olympia aus dem Westerwald belegen den dritten Slot des Destivals und heizen das sowieso schon muckelige Vortex weiter auf. Ich spüre Schweißtropfen in den Haaren, ohne dass ich bisher mehr bewegt habe als meinen Kopf und die Arme zum Applaudieren. Vor der Bühne gehen (nach dezenter Aufforderung) die ersten Pits auf. Siegen brauchte heute wohl nur einen liebevollen Schubser, um die Hemmungen zur aktiven Teilnahme fallen zu lassen. Umso erfrischender kommt die kurze Pause vor Datenschmutz daher, in der es nahezu alle in Richtung Bar oder Vorzelt zieht, um vor dem langsam nähernden Finale des Abends noch einmal tief durchatmen zu können. In diesen Pausen, aber auch schon während der Konzerte, lässt sich die Freude beobachten, die vor Allem Destination Anywhere selbst an ihrer Geburtstagsfeier haben: Gefühlt kommen die Jungs gar nicht aus den Gesprächen und den Umarmungen raus, die allesamt mit einem breiten Lachen auf den Gesichtern stattfinden. Köhler entdecke ich zum Beispiel im Vorbeigehen am Merch, Tim und Simon unterhalten sich lange jeweils angeregt vor der Tür. David, Andre und Pucki erspähe ich einige Male im Club vor der Bühne. Nicht wenige Gäste werden heute Abend Familie und Freunde sein. Diejenigen, die das (noch) nicht sind, werden genauso wie die weiteren Bands von den Destis und auch dem Clubpersonal wie solche behandelt. In meiner zur Gratulation mutierten Review zum "Jubiläumslied" habe ich der Band eine gewisse Herzlichkeit und Offenheit attestiert, die auch heute Abend über der gesamten Veranstaltung liegt und ausnahmlos für ausgelassene Stimmung und zufriedene Gesichter sorgt.

Hear Olympia

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Lars May

Datenschmutz

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M. Schneider

Den letzten Akt vor dem Headliner des Abends übernehmen Datenschmutz aus Grevenbroich, die mal wieder in die Kategorie Bands fallen, die ich im Rahmen meiner "Arbeit" (Arbeit = Fünf tolle Bands erleben und anschließend in Worte fassen) für dieses Fanzine namentlich unzählige Male aufgeschnappt habe ohne bisher tiefer einzutauchen oder einen Auftritt der Gruppe gesehen zu haben. Die Entscheidung darüber nehmen mir die Veranstalter heute ab, sodass ich mir im Vorhinein ein paar Songs angehört und für gut befunden habe. Auf den ersten Eindruck irgendwo im Bereich die ärzte, Montreal und Co. einzuordnen – nehme ich! Datenschmutz covern Muff Potter, nehmen sich selbst nicht zu ernst und bauen eine kurzweilige Brücke rein in die letzte Umbaupause, die ich aufgrund der währenddessen gespielten Musik gerne im warmen Club verbringe: Danger Dan, WIZO, Robbie Williams... Na dann: "And through it all, she offers me protectiooooon!"

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Lars May

"Wer A sagt muss auch... Abliefern!"

Ehe wir uns versehen können ist das Vortex bis in die hintersten Reihen gefüllt, das Licht wird gedimmt und ein erstes Intro inklusive "Kings of Rock-Tenacious D"-Sample leitet in ein zweites (episches!) Intro sowie den Opener "Erkennst du mich denn wieder?" über. Für den heutigen Abend kristallisiert sich im Anschluss schnell heraus, dass die Band für diese Jubiläumsshow eine spezielle Setlist aufgestellt hat und bereits nach wenigen Titeln die gewohnten Pfade verlässt. Bereits aus den allerersten Bandjahren finden heute unter anderem "Take Me Away", "All Because Of You", "Welcome To Hangover", "Anthem" oder "It's Going Down" ihren Weg ins Programm. Siegen präsentiert sich textsicher, nichts anderes war zu erwarten.

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Lars May

Zu den ganz alten Nummern gesellt sich immer wieder der Spagat in die Gegenwart: "Party & Randale" und "Schmerztablette" als aktuellste Songs machen ihren Namen alle Ehre: Heute das Eine, morgen wohl das Andere. Vor den älteren Stücken kann sich David heute Abend mit Anekdoten nicht zurückhalten, sodass wohl aus einem Mitschnitt des Auftritts gut und gerne eine sechste Podcastfolge entstehen könnte. Auch den damals erschienenen Outtakes aus den Aufnahmen zu "Hier ist Godot" könnte heute eine Fortsetzung in Form von Ansagen beigesteuert werden: Sei es wegen Andres bereits erwähnter Hose oder dass Tim in der Geschichte der Band einfach zu wenige musikalisch helle Momente beigesteuert hat - angeblich. Dazu verliere ich langsam den Überblick darüber, wie alt Trompeter und jüngstes Bandmitglied Pucki eigentlich wirklich sein könnte. Ist Pucki 16? 20? 32?! Keine Ahnung! Dass die Chemie zwischen den Musikern aber stimmt, zeigen die Reaktionen der anderen auf Davids Kommentare über sie: Es wird erst einmal darüber gelacht und anschließend Contra gegeben. Wie gesagt, die Stimmung ist ausgelassen und einer Geburtstagsfeier nach sechs Stunden Aufwärmprogramm würdig.

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M. Schneider

Die Jubiläumsshow als Highlight des Destivals sprengt heute den von mir mit Destination Anywhere in der Vergangenheit erlebten Rahmen: Über 25 Songs stehen am Ende des Abends zu Buche. Die Temperatur im Vortex steigt trotz Lüftung gefühlt auf die doppelte Anzahl an Grad Celcius, die Band nimmt sich Zeit zum Abkühlen während Tim und David "Regisseur" und anschließend mit weiterer Unterstützung "Die Sterne und das Meer" auf die Bühne bringen. Beide Titel habe ich ebenfalls noch nicht live sehen dürfen. Durch das Vortex fliegen Seifenblasen, vom gemeinsamen Chor auf und vor der Bühne getragen. Wo sich sonst "How You Feel" irgendwo im Bereich des Schlussspurts befindet, folgen heute Abend ganze sechs Zugaben, inklusive Kassierer-Cover über zu Neige gehende Getränkevorräte sowie dem Jubiläums- UND dem Abschiedslied.

Da das Vortex nicht dafür bekannt ist, die Gäste auf dem Trockenen sitzen zu lassen, spricht David mit dem Ende des Konzertes die Einladung aus, zur After-Show-Party mit DJ Pucki oder einem gemeinsamen Gespräch im Club zu bleiben. Und wo ein Destivaltag in Siegen unspektakulär unter großem Jubel zu Ende gehen könnte, findet sich die Band noch einmal Arm in Arm auf der Bühne ein, während "Wir sagen Dankeschön - 20 Jahre die Destis" auf Basis der Flippers aus den Boxen dröhnt und zum Ende hin in einem kurzen aber knackigen Technorave eskaliert. Irgendwie auch typisch Destination Anywhere.

 

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Lars May

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