Schon nach wenigen Sekunden ist klar: Hier wird nicht lange gefackelt. „Brutal“ von Laturb aus Bremen ist ein rastloses, temporeiches Album, das zwischen NNDW, New Wave und Synthie-Pop ordentlich Druck entwickelt. Die Songs wirken manchmal so, als müssten sie dringend raus – schnell, atemlos und ziemlich ungefiltert. Das kann anstrengend sein, macht aber gerade den Reiz des Albums aus. Musikalisch fühlt man sich immer wieder an die 80er erinnert, an Ideal oder Malaria!, ohne dass Laturb einfach in der Vergangenheit stehen bleiben. Alle drei Bandmitglieder übernehmen den Gesang und geben dem Album dadurch zusätzlich unterschiedliche Stimmen und Perspektiven. Inhaltlich geht es unter anderem um Queerfeminismus und Kapitalismuskritik. Mit „Lampedusa“ gibt es einen bewussten Gegenpol: Das Tempo geht raus, der Song wirkt eindringlich und lässt die Texte stärker wirken. Ansonsten bleibt „Brutal“ konsequent nervös und in Bewegung. Laturb passen damit ziemlich gut in die Bremer Szene, aus der zuletzt auch Team Scheisse und Die Behörde auf sich aufmerksam gemacht haben. „Brutal“ ist kein Album zum Zurücklehnen. Und genau das gefällt mir daran: diese Rastlosigkeit, die Energie und Lyrics, die nicht nur dekoratives Beiwerk sind.