Das Berlin Breakout, das 2025 zum ersten Mal stattfand, füllt unbestreitbar eine Nische im Berliner Festivalsommer. Die Subkulturräume, in denen sich Freund*innengruppen alle paar Wochen bei kleinen Shows treffen, sind wie gemacht für einen gemeinsamen Tag voller Artists aus den Genres Hardcore, Punk, Emo sowie deren zahlreiche Unter- und Nebenschubladen, oder einfach alle, die auf Schubladen pfeifen. Am 13. Juni fand die zweite Ausgabe des Festivals unter dem Motto „Every Voice Feeds The Chorus“ in drei Venues auf dem RAW-Gelände statt.
Zwischen Pommesbuden, Tischtennisplatten und Tribünen fürs Public Viewing der Männer-Fußball-WM tummelten sich Musikfans in verschiedensten Schwarztönen gekleidet, um gemeinsam die Running Order für ihren persönlichen perfekten Festivaltag zu bauen. Vom cassiopeia ins Urban Spree und dann wieder zurück zur Homebase im Astra – so der Plan. Diesen umzusetzen gestaltete sich allerdings schwieriger als erhofft: Die beiden kleineren Venues wurden zeitgleich bespielt, während im Astra Umbaupause war. Im nächsten Slot gab es dagegen keine Wahlmöglichkeiten, sondern nur im Astra Livemusik. Vergeblich stellte ich mich weit vor der angegebenen Set Time am Cassiopeia an, in der Hoffnung, mit Feels Like Heaven in den Festivaltag starten zu können. Der einzig mögliche musikalische Plan B zum selben Zeitpunkt –Yeahrs im Urban Spree– ging natürlich nach Setbeginn auch nicht mehr auf, denn die Leute standen bereits bis in den Flur und das Personal wirkte heillos überfordert. Also resigniert zurück zum Astra, wo mir schon bald Death Lens Energie und Motivation für den Rest des Tages zurückgaben.
Mein zweiter Versuch im Cassiopeia für Hollow Suns war zum Glück erfolgreich, denn diese Show auf der ersten Europatour der japanischen Band wollte ich mir nicht entgehen lassen, und quetschte mich freudig mit 250 anderen Menschen in den kleinen Club. Bei STYG-Frontmann Jesse Barnetts neustem Projekt Ways Away gab es im Anschluss reichlich Platz zum Tanzen, bevor ich wieder rüber ins Cassiopeia wanderte, um mit Greet Death einen aufstrebenden Stern am Shoegaze-Himmel zu erleben.
Den Abend verbrachten alle, die bis dahin geblieben waren, im Astra, denn in den kleinerenVenues war bereits Schluss. Home Front aus Kanada brachten mit ihrem wholesome Punkschon mal alle emotional näher zusammen, bevor es dann beim Highlight des Abends sorichtig tränenreich wurde: Touché Amoré spielten im Rahmen ihrer 10-jährigen Jubiläumstourfür „Stage Four“ ebendieses Album in voller Länge. Entstanden aus der Trauer von SängerJeremy Bolm nach dem Krebstod seiner Mutter brachte das Album die US-amerikanischeBand auch bei den letzten Menschen in der Szene auf den Schirm. So trafen sich dort andiesem Abend verschiedenste Bubbles beim Festivalabschluss zum gemeinsamen Feiern,Weinen, Moshen, Stagediven und in Erinnerungen schwelgen. Mögen wir uns alle imnächsten Jahr bei der dritten Runde des Berlin Breakout hier wiedertreffen