Da ist zum Beispiel dieser eine Camper, der Jahr für Jahr mitten am Hauptweg sein Quartier aufschlägt. Keine pompöse Pavillon-Festung, sondern einfach eine Wäscheleine, gespannt zwischen einem Bauzaun und einem Baum. Wer möchte, hängt ein altes Bandshirt auf und nimmt sich ein neues mit. Ein unaufgeregter, ehrlicher Tauschrausch auf Vertrauensbasis – mitten im Trubel.
Wer früh genug anreist, hat die freie Wahl für sein Zuhause auf Zeit: Entweder sichert man sich ein sonniges Plätzchen auf der offenen Wiese oder schlägt sein Zelt im schattigen Wald unter den Bäumen auf.
Diese Vertrautheit zieht sich durch das gesamte Gelände. Es ist dieses seltene Gefühl von absoluter Entspannung: Niemand ist aggressiv, niemand verhält sich übergriffig. Du kannst deine Sachen am Zelt lassen, ohne Angst haben zu müssen, dass sie Füße bekommen – zumindest nicht durch andere Festivalbesucher*innen (höchstens die Natur fordert mal ihren Tribut). Selbst die Crew und die Security strahlen eine Herzlichkeit aus, die man sonst lange suchen muss. Es passiert nicht selten, dass man dieselben Mitarbeiter*innen, die nachmittags noch geduldig Getränke verkauft haben, nachts mitten im Publikum bei den Shows wiedersieht – mitsingend, feiernd, als Teil derselben großen Meute.
Ein absolutes Highlight ist auch der Weg zur Beachstage an heißen Nachmittagen: Klar, man kann ganz gewöhnlich über das Gelände spazieren. Oder man schnappt sich sein Floatie, setzt sich direkt in die eisblaue Soča und lässt sich ganz entspannt flussabwärts direkt vor die Bühne treiben.
Das Schönste nach all den Jahren ist jedoch das Wiedersehen mit Menschen, deren Namen man manchmal nicht einmal kennt, deren Gesichter aber untrennbar mit Tolmin verbunden sind. Meine persönliche Lieblingsanekdote dazu geht zurück ins Jahr 2015: Damals liefen mir zwei Typen über den Weg, verkleidet als Mario und Luigi, die Bier aus einem sauberen(!) Pömpel unters Volk mischten. Dieses Jahr habe ich, wie immer, Mario wiedergesehen. Er trug wieder sein Super Mario Kostüm – und auf den Schultern saß sein kleiner Sohn, stolz verkleidet als der neue, kleine Luigi.
Ein Moment, der alles auf den Punkt bringt: Wir werden alle älter, die Leben verändern sich, die Knie tun nach fünf Tagen Moshpit vielleicht etwas mehr weh als vor zehn Jahren. Aber wir kommen trotzdem alle wieder zurück an diesen Fluss. Weil das Punk Rock Holiday kein Ort ist, den man einfach nur besucht – es ist eine Gemeinschaft, die mit uns mitwächst. Es ist ein nach Hause kommen, an einen Ort, an dem man seinen Kopf einfach mal ausschalten kann.