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Konzertbericht

Konzertbericht: SOEN in Marburg

02.09.2026 | Mark Schneider

Marburg hat im Sommer wirklich einiges zu bieten: Auf den Straßen und an der Lahn treiben sich die Studierenden herum, vor den Cafés in der Oberstadt genießen die Menschen ihren Feierabenddrink an der frischen Luft und im KFZ laden SOEN zur geballten Ladung Progressive Metal ein. Wir haben uns für letzteres entschieden.

Wer sich am heutigen Mittwoch nicht mit der Sonnenfinsternis beschäftigt – auch in Marburg laufen mir Menschen mit selbstgebauten Lochkameras über den Weg – genießt einfach nur den frühen Abend in einer solch malerischen Stadt, wie sie hier an der Lahn liegt. Das KFZ ist für uns längst DIE Anlaufstelle für Konzerte in Marburg geworden, die über die eher kneipenhafte Atmosphäre, wie sie zum Beispiel im Knubbel herrscht, hinausgehen. Das merken wir auch an den Namen, die das KFZ immer wieder aus dem Hut zaubert: Heute Abend ist es die Band des ehemaligen Opeth-Schlagzeugers Martin Lopez, die das Gegenprogramm zum lauen Sommerabend an der frischen Luft im klimatisierten Konzertsaal darstellt. Da lassen sich die schon immer im Stadtbild (Liebe Grüße!) präsenten Marburger Metalanhänger nicht zwei Mal bitten und kommen in einer beachtlichen Anzahl zum Konzert von SOEN im KFZ zusammen.

The Monosphere

©
M. Schneider

The Monosphere aus Mainz eröffnen den Abend um 20:30 Uhr und ich befinde mich nach wenigen Minuten in einer Situation, die ich erst einmal verarbeiten muss. Kein Licht von vorne, ein Blitzlichtgewitter hinter der Band, für deren Prog-Metal mir im ersten Moment kaum beschreibende Worte einfallen. Der Sound ist wirklich wild, teilweise bekommen wir in abgehackten Fetzen Satz- und Songteile um die Ohren geschleudert. Im Raum ist es durch das spärliche Licht größtenteils dunkel, während das Quartett, je nachdem in welchem Moment man den Saal betritt, auch als Black Metal- oder Metalcore-Band durchgehen kann. Leider geht in diesem Trubel vor Allem zu Beginn des Konzerts die Gitarre etwas unter und der Sound kommt sehr basslastig daher. Zum Ende, auch unter Zuhilfenahme meines Gehörschutzes, wird die Sache deutlich runder. Der Funfact am Rande bleibt aber das Hemd des Schlagzeugers, welches bei jedem Aufstehen visuell mit dem Backdrop der Band verschmilzt.

Die halbe Stunde zwischen The Monosphere und dem angesetzten Showbeginn von SOEN verbringen wir wie viele der Besucher*innen vor der Tür des KFZ. Auch nach 21:00 Uhr zeigt sich dieser Tag noch von seiner besten Seite, sodass bei angenehmen Temperaturen und kurzweiligen Gesprächen die Pause fast schon zu kurz daherkommt. Erwartungsgemäß ist es anschließend im Saal aber noch einmal deutlich voller als beim Supportact. Das Licht geht aus und SOEN betreten die Bühne nach zwei Intros mit ihrem Opener "Mercenary".

SOEN

©
M. Schneider

Dass das Publikum heute Abend bis auf ganz wenige Ausnahmen für die Band um Sänger Joel Ekelöf nach Marburg gekommen ist, steht natürlich außer Frage. Dennoch geht es von Beginn an fast schon gediegen zu, vielleicht habe ich mich hier auf den letzten Konzerten (unter anderem bei Blackout Problems in Köln) einfach an deutlich bewegungsfreudige Menschen gewöhnt. Die Fäuste fliegen regelmäßig in die Luft, die Haare werden (auch auf der Bühne) zur Musik geschwungen und ausgiebig mit dem ganzen Körper anstatt nur des Kopfes mitgenickt. Joel ist ebenfalls von Anfang an auf Kontakt mit dem Publikum aus, schüttelt Hände beim Singen und wandert bereits sehr früh beide Außenseiten der Bühne ab, um kurz für alle Anwesenden Präsenz zu zeigen.

Schnell ist klar, dass bei SOEN wirklich jeder Musiker genau weiß, was er da oben tut. Das gilt sowohl in den Momenten, in denen Gitarrist Lars ans Keyboard tritt und mit seinem Spiel den ganzen Raum verstummen lässt, als auch für die Momente, in denen die gesamte Band wie eine Wand auf der Bühne steht und in die härtere Kerbe schlägt. Dass Martin Lopez, ehemals bei Amon Amarth und Opeth aktiv, mit seinem Instrument umzugehen weiß, ist ebenfalls nicht ansatzweise in Frage zu stellen.

Eine Show von SOEN lebt jedoch nicht nur von der Musik, sondern auch von visuellen Effekten. Zwischen den Songs blitzen die LEDs auf der Bühne rot auf, während ein Herzschlag zu hören ist, oder gleisend helle Lichteffekte untermauern die zu hörenden Gewehrgeräusche, bevor Joel zum nächsten Song in Generalsmontur zurück auf die Bühne kommt. Generell sind die Outfits des Sängers heute Abend ein Thema, ich beobachte mindestens vier unterschiedliche Looks. Und zwischen all die Licht- und Soundeffekte, all die lauten und härteren Klänge, reiht sich dann "Indifferent" als Keyboardballade, zu der die Gäste ihre Handys zuhauf zücken. Wenn SOEN sich am meisten zurücknehmen, machen die Leute heute Abend die meisten Videos. Wer die Nummer nicht durch das Handydisplay verfolgt, steht gebannt da und lauscht diesem so gefühlvollen Titel.

©
M. Schneider

Der einzigen Makel an der Show dieser Band wurde mir im Vorhinein bereits zugetragen: Die vergleichsweise kurze Zeit auf der Bühne. SOEN beenden ihre Show bereits nach einer Stunde und 20 Minuten, was bei mir gemischte Gefühle auslöst. Zum einen fällt die Müdigkeit am morgigen Donnerstag bei einer Ankunft zu Hause vor Mitternacht deutlich geringer aus als das eine Stunde später der Fall wäre. Zum anderen hätte ich Cody Lee Ford aber am allerliebsten noch eine Ewigkeit beim Zelebrieren jedes einzelnen Gitarrensolos zugeschaut. Ein kleiner Wermutstropfen auf einen Ozean wirklich toller Momente, die SOEN heute Abend im Marburger KFZ kreiert haben. Den Gästen hats merklich gefallen - und das ist die Hauptsache!

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