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Konzertbericht

Stahlnacht X: Ein Ausflug in die Welt des Metal

17.10.2026 | Sandy Schwartzrock

Ein Abend voller Jubiläen und ein Metal-Neuling, der die eigene Komfortzone verlässt, um am Ende des Abends sagen zu können: “Das war die beste Erfahrung des Jahres”. Wenn im legendären Wilhelmshavener Pumpwerk gleich drei Meilensteine gefeiert werden, ist der Schritt aus der Komfortzone auch gar nicht mal so schwer.

Die Wilhelmshavener Stahlnacht lockte am 26. September 2026 bereits zum zehnten Mal Metal- und Rockbegeisterte in das Kulturzentrum Pumpwerk. Dabei kamen die Besucher*innen, wie bereits in den vergangenen Jahren, in den Genre Industrial Metal, Metalcore, Heavy Metal, Rock und Punk vollstens auf ihre Kosten.

Die Jubiläen an diesem Abend schienen der Traum eines jeden Eventmanagers zu sein: Das Kulturzentrum Pumpwerk feierte stolze 50 Jahre als kulturelles Herzstück Wilhelmshavens. Seit seiner Eröffnung beherbergte das ehemalige Industriebauwerk über 5.000 Veranstaltungen von Konzerten über Comedy und Kabarett, aber auch beliebte Open-Air-Reihen wie “Mittwochs am Pumpwerk” im Sommer - und selbstverständlich auch die legendäre Stahlnacht! Gleichzeitig beging die Band b.o.s.c.h. ihr 20-jähriges Bandbestehen, und als Gastgeber des Indoor-Festivals Stahlnacht sein 10. Jubiläum. Drei runde Geburtstage versprachen schon vor dem Betreten der historischen Location einen Abend voller Energie!

Als bekennender Neuling im Metal-Genre machte ich mich am Morgen des 26. Septembersmit gemischten Gefühlen auf den Weg nach Wilhelmshaven. Würde man mich anhand meiner Kleidung, die im Übrigen noch eine Stunde vor Beginn des Festivals großes Problemthema war, sofort als Genre-Touristen entlarven? Brauche ich eventuell eine Schutzmaßnahme für meine Ohren? Die Antwort auf letztere Frage erhielt ich fünf Minuten nach Ankunft beim Soundcheck – Ja.

Entgegen meiner Sorgen nahm mich das Team der Stahlnacht ganz selbstverständlich mit offenen Armen auf. Statt Argwohn wurde ein (alkoholfreies) Bier gereicht, die Wege im Pumpwerk erklärt und sich auf einen energiereichen Abend eingestimmt. 

Unter dem Motto “Wir sind alle Headliner” gab es über den Abend verteilt nicht den einen Act auf den gewartet wurde, sonder gleich vier Bands, die vom Publikum alle wie Headliner gefeiert wurden. Den Auftakt machte dabei die Bremer Metalcore-Band DERHB, die im Saal schlagartig für Feierlaune sorgte. Wo vorher noch sehnsüchtig auf den Beginn der Veranstaltung gewartet wurde, sprangen und jubelten die begeisterten Fans des deutschsprachigen Metals. Bereits nach den ersten Klängen war auch meine anfängliche Skepsis verflogen. Was auf ungeübte Ohren manchmal wie kontrollierter Lärm klingen mag, entfaltet live eine Wucht, der man sich nicht einziehen kann - und plötzlich stand selbst ich im Pit und wippte rhythmisch den Kopf.

Im Anschluss betrat Die KRAFT die Bühne. Wo ursprünglich die Band Eisenkarl spielen sollte, übernahm kurzfristig aufgrund eines gesundheitlichen Ausfalls die Hamburger Band und lieferte den Umständen zum Trotz eine Show ab, die selbst die Metalheads in der letzten Reihe abgeholt hat. Die deutschsprachige Rockband überzeugte zweifellos mit ihrem kraftvollen, melodischen Rock, der nicht nur aufgrund der Musik sondern vor allem mit Charakter und Tiefe glänzt.

Der unbestrittene Höhepunkt des Abends gehörte dann doch den Gastgebern. Zum 20-jährigen Jubiläum feuerte die Band eine Performance ab, die dem Namen der Veranstaltung alle Ehre machte. Die Band hatte sich für diesen Abend, der ganz sicher in die

Geschichtsbücher der Stahlnacht eingehen würde, etwas Besonderes überlegt – Wenige Wochen vor dem Festival brachte b.o.s.c.h. erstmals eine Vinyl mit den besten Songs der vergangegen 20 Jahre raus. Die Songs wurden neu aufgenommen und so gespielt, wie sie live klingen würden - Und b.o.s.c.h. tat das einzig Richtige in dieser Situation: Sie spielten natürlich die Songs der Vinyl. Live. Hart. Echt. Wer Routine erwartet hat, wurde eines Besseren belehrt. Der Saal, und vor allem die alten Fenster des Pumpwerks, bebten im Rhythmus des Bass und der Energie, die die Band als auch das Publikum an den Tag legte. Zu guter Letzt rauschte Soulbound, die Erfinder des Genre “we don't give a fuck metal”, durchdas historische Pumpwerk. Schon beim Betreten der Bühne versprühte die Band eine Atmosphäre, die reine Ehrfurcht schaffte und das Publikum für einen Moment den Atem anhalten ließ. Die Lichtshow setzte dem Ganzen die Krone auf - Das Pumpwerk erstrahlte in einer ausgefuchsten Lasershow, die mein Fotografenherz leicht besorgt die Kamera sinken lassen ließ, und die dem Industrial-/Gotic-Metal der Bielefelder Band die bestmögliche Untermalung bot.

Was mich am meisten faszinierte, war das Phänomen des Publikums. Die ausgelassene Stimmung war jederziet greifbar, wenn die gestandenen Metal-Veteranen neben den jungen Hüpfern tanzten und das ganze Publikum die Bands mit Headbangen supportete. Zwischen Moshpit, Headbangen und harten Klängen ging jedoch nie die Umsicht untereinander verloren. Es war eine familiäre Zusammenkunft - Publikum nicht nur aus Wilhelmshaven, sondern aus weiten Teilen Niedersachsens und der ganzen Republik, das gemeinsam eine Leidenschaft feierte.

Gegen Mitternacht verließ ich das Pumpwerk, mit einem leichten Piepen im Ohr, schmerzenden Schultern (wer hätte gedacht, dass es so anstrengend ist eine Kamera hochzuhalten?) und vor allem einem dicken Grinsen im Gesicht. Die Jubiläumsausgabe der Stahlnacht war ein rundum gelungenes Event - Das Pumpwerk hat bewiesen, dass es auch nach 50 Jahren noch einen Abend voller harter Metal-Klänge unbeschadet beherbergen kann. b.o.s.c.h. haben ihr Band-Jubiläum gebührend zelebriert und die Stahlnacht hat
bewiesen, warum sie seit zehn Jahren so ein fester Bestandteil der Metal-Community ist. Mein erster Ausflug in die Welt des Metal wird definitiv nicht mein letzter gewesen sein. Eine solche Herzlichkeit vergisst man nicht so schnell. Wilhelmshaven hat in allen Perspektiven gezeigt, wie man Feste feiert: laut, herzlich und mit einer ordentlichen Portion Herzblut. Auf die nächsten 10, 20 und 50 Jahre!

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