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Konzertbericht

Rock im Park 2026 - Tag 2

04.07.2026 | Nataly Sesic

Tag 2 begrüßt die Park-Rocker:innen mit zauberhaftem Sonnenschein. Heute Abend gibt es auf der Utopia Stage ein besonderes Schmankerl: die Heavy Metal-Legenden Iron Maiden. In diesem Jahr ist das Line-Up eine Reflexion seiner diversen Fangemeinde.

Ich mache mir wenig Hoffnungen, zu den illustren Rängen an Fotograf:innen zu gehören, welche für die Show ausgewählt werden, und in der Tat hat das Management der eisernen Jungfrau weder je von mir gehört, noch wollen sie das aufholen. Nun gut.

Was mich jedoch zutiefst beleidigt hat, war, dass auch The Offspring dankend abgesagt haben. Und so beginnt meine einseitige Fehde mit Dexter Holland.


 

Black Veil Brides

Etwas pikiert und leicht sonnenverbrannt beginnt der fotografische Teil des Tages auf der Utopia Stage mit einem Gesicht, das tausende von Pins auf tumblr inspiriert hat: Andy Biersack und Black Veil Brides. 

Das, was Noah Sebastian für TikTok heute ist, war Andy zu meiner Jugendzeit für MySpace. Schwarze Lederhandschuhe und Zottelpony inklusive. 

Es bleibt nicht unbemerkt, wie viele nostalgische Acts bei Rock im Park 2026 ein „Revival“ feiern: Linkin Park, Limp Bizkit, Hollywood Undead, Breaking Benjamin, Three Days Grace, Papa Roach...Sie alle dominierten die alternative Szene im noch jungen Internet der frühen 2000er. 

Es macht schon Sinn: Wenn man von „Vintage“ spricht, dann geht es in der Regel um einen Zeitraum von 25 Jahren – was lächerlich kurz ist, wenn man dann tatsächlich diese zweieinhalb Dekaden zurückspringt. Wollt ihr mir damit etwa sagen, mein schwarzer Nietengürtel vom EMP anno 2002 sei fast Vintage? Ich weiß nicht so ganz, wie ich mit dieser Information leben soll.

Hollywood Undead

Nachdem die Black Veil Brides die frühen 2000er haben aufleben lassen, tun Hollywood Undead dasselbe – nur etwas anders. Es heißt, Bro Country a la Florida Georgia Line sei eine Bewegung der 2010er, doch ich sehe die Vorreiter, ja, die Pioniere dieser Art von Musik in der alternativen Szene bei Bands wie Limp Bizkit und eben Hollywood Undead. Wir alle kennen „Everywhere I Go“, und wir alle singen es laut mit, allem nostalgischen Chauvinismus zum Trotz. Oder vielleicht eben deswegen. Dieser Chauvinismus der 2010er ist irgendwie süß, wenn man ihn mit 2026 vergleicht; mehr albern als bedrohlich. Ein Moment in der Zeit, wo wir noch über dumme Bars über „Bitches“ lachen konnten, bevor uns klar wurde, dass manche von den Künstler:innen ihre Lyrics ernster meinen, als gedacht. So oder so bieten Hollywood Undead eine freudige Show, und gehören so eher zum Level Electric Callboy als zur Riege Three Days Grace: lustig, aber auf meiner Playlist landen sie nicht.

©
Nataly Sesic

Catch Your Breath

Catch Your Breath ist eine meiner Neuentdeckungen letztes Jahr, angetrieben von den sozialen Medien (die ich behaupte nicht zu nutzen). „Dial Tone“ ist auf TikTok viral gegangen, eine simple Emo-Ballade mit Metalcore-Elementen. Einen Grammy gewinnt die Band nicht, doch sie verstehen ihre Zielgruppe ganz genau. 

Catch Your Breath gehören zu einer online gezüchteten Künstler:innen-Variante, die schon mit Plänen rund um Branding und Social Media Marketing in den musikalischen Ring steigen. Das ist etwas, das wir immer mehr sehen und immer mehr sehen werden; nicht zuletzt, da der Markt übersättigt ist und noch immer völlig unvorbereitet und konfus mit TikTok umgeht. 

Plattenfirmen befördern obskure Künstler:innen mit 1 Millionen Likes auf TikTok aus der Versenkung auf ein Plateau, das für jene de facto Neulinge unmöglich zu halten ist. Nicht umsonst hören wir in den letzten Jahren den Begriff „industry plant“ immer wieder, wenn auch fast immer im falschen Kontext. Doch das Gefühl, Künstler:innen würden aus dem Nichts erscheinen und plötzlich überall stattfinden, ist nicht unbegründet. 

Plattenfirmen wissen, dass TikTok wertvoll für die Industrie ist, in Zeiten, in denen niemand mehr Musik kauft. Gleichzeitig kreieren sie durch diese schier willkürliche Adelung von Newcomer:innen einen stetig wachsenden Friedhof an One-Hit-Wondern. Man betrachte alleine mal die Künstler:innen, die in den Pandemie-Jahren kurz die größten Stars der Welt waren, bevor sie völlig verschwanden, in der Regel inklusive einer persönlichen Implosion. Desiigner anyone?

President

President, der nicht-so-geheimnisvolle maskierte Act aus den Staaten, hat schon von Beginn seiner Karriere an Furore gemacht. Erstmal kamen natürlich die Sleep Token-Vergleiche. Dann kam der damit einhergehende Hass. Und schließlich dauerte es nur etwa 12 Minuten bevor die Identität des kostümierten Herren im ganzen Internet öffentlich wurde. Die Obsession der Netizens, die Privatsphäre von Menschen entgegen ihres Konsens zu zerstören, ist sicher seine ganz eigene wissenschaftliche Abhandlung wert, doch bleiben wir bei der Musik. 

Da auch dieser Künstler an diesem Tag der Presse den Zugang zu seiner metaphorischen Kongresshalle verboten hat, erfreue ich mich als biedere Zuschauerin an der Show.

Musikalisch wurde ich gut abgeholt, doch, dem dramatischen Bühnenbild inklusive Kreuz zum Trotz, konnte kaum von einer Show gesprochen werden. Der Künstler läuft nervös die Bühne hoch und runter, ab und zu tritt er auf ein Podest, zeigt Peace-Zeichen. Das Publikum beginnt scheinbar aus schierer Langeweile zu Crowdsurfen. 

Es ist zum Heulen. Die Bühne ist die perfekte – ja, Bühne – für eine große Darstellung. Das Rednerpodest, das mittig aufgestellt ist, lädt geradezu zu Theatralik ein. Doch außer einem kurzen Moment zum Schluss, wo President am Podest steht und auf seine Wählerschaft hinabschaut, wird nicht viel geboten. 

Ich bin enttäuscht, einerseits, weil ich die Musik von President mag, andererseits aber auch, weil das ganze kunstvolle Gehabe – das Kostüm, die Sprache, die dramatischen Social Media Posts – auf eine deutlich theatralischere Darstellung hinweist als das, was an diesem Abend geboten wurde. Ich habe wenig Interesse an einem Künstler, der für reine Ästhetik so geladene Sprache und Bilder – amerikanische Präsidentschaft im Jahr 2026 – heraufbeschwört. 

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