La Dispute haben nicht nur bei uns mit ihrem aktuellen Album „No One Was Driving the Car“ für sehr viel Aufsehen gesorgt. Es ist also nicht verwunderlich, dass wir ebenfalls über eines ihrer Konzerte schreiben, welches mal wieder im von Band und Dave geliebten Beatpol in Dresden stattfindet. Supports sind diesmal die experimentellen Pijn und auch die Midwest-Emo-Hardcore-Ikonen von VS Self.
Erneut stehe ich im Beatpol, um mir eine meiner Lieblingsbands anzugucken. Vor mittlerweile drei Jahren haben La Dispute hier gehalten und ihr Album Wildlife fürstlich zelebriert, und damals platzte der Saal mit der Stuckdecke aus sämtlichen Nähten und den Menschengeruch habe ich noch immer in der Nase, genauso wie das Gefühl danach, sämtliche Menschen, die ich gut genug kenne, herzlichst zu umarmen. Heute feiert die Band ihr aktuelles Album „No One Was Driving the Car“, dem ich letztes Jahr eine 10/10 gab und welches mich noch immer sehr beeindruckt. Ich bin außerordentlich gespannt, wie die Band es schafft, dieses vor allem ruhigere Album auf die Bühne zu bringen und einen Einklang mit ihren sehr rohen Songs zu schaffen.
Pijn
Zunächst stehen jedoch Pijn auf der Bühne, was diese ziemlich vollpackt mit Menschen und Instrumenten. Neben den klassischen Bässen und Gitarren sowie dem Drumset hat es auch das mittlerweile im Post-Hardcore sehr beliebte Cello auf die Bühne geschafft. Irgendwie hat La Dispute es drauf, immer eine Band, die genretechnisch erwartbar ist, auf die Bühne zu bringen, und eine, welche schon heraussticht. Pijn ist irgendwie beides. In 30 Minuten spielen sie 4 oder 5 Songs. Zumindest vernehme ich so viele Tempowechsel. Alles rein instrumental mit sehr durchdringendem, konstanten Licht. Sehr an die Wand drückend und eindrucksvoll.
VS Self
VS Self sind ein Gegenpunkt. Energetisch, frickelig im Gitarrenspiel und absolut großartig in den geschrienen Vocals. Midwest-Emo trifft auf Post-Hardcore und das Trio fegt über die pompöse Bühne. Dabei wechseln sich die Mainvocals mit dem Geschrei mit denen vom Gitarristen ab und immer wieder wird ein Tambourin zur Untermalung eingesetzt. Die Songs sind oft schnell, abwechslungsreich und hauen so richtig hart rein. Das findet beim Publikum erfrischend viel Anklang, die Merchschlange vor ihrem Tisch ist nach dem Mainact ungefähr genauso lang wie vor der von Pijn und La Dispute.
La Dispute
Wo wir schon bei La Dispute sind. Die Band aus Grand Rapids beginnt natürlich mit ihrem neuen Opener „I Shaved My Head“, einem der durchaus dynamischeren Songs des Albums. Die Crowd kennt jedes Wort und das Feeling der gleichsam trautigen Gemeinschaftlichkeit ist wieder da. Auch wenn durch den Umstand des Montagabends weniger Leute hier sind, als letztes Mal, man kann sich zumindest um einiges leichter bewegen als noch vor 3 Jahren. Der erste Bruch der Dynamik folgt bereits im dritten Song. „The Most Beautiful Bitter Fruit“ weckt die Leute im Club am Rande von Dresden nochmal so richtig auf, und spätestens jetzt sind alle im Raum vollends dabei. Von hier nimmt das Konzert sehr schnell sehr viel Fahrt auf. Nicht immer unbedingt in der Bewegung, was jedoch mehr daran liegt, dass die Show aus zahlreichen ruhigeren Songs der Band wie „Woman (Reading)“, „Woman (In Mirror)“ oder „I Dreamt of a Room with All My Friends I Could Not Get In“ besteht, wobei die Ruhe eher durch Melancholie als durch beruhigte Töne definiert werden sollte. Abgelöst wird dieser Zustand immer wieder durch Spitzen wie „Why It Scares Me“, „Andria“ oder „Kingpark“ in der Mitte des Sets. Generell sind es vor allem diese sehr bekannten Songs, welche die Crowd außerordentlich energetisch und lautstark aufnimmt und wiedergibt. Und natürlich ist da auch noch die Band um Tanzflummi Jordan Dreyer, welche erneut eine Performance der Extraklasse von sich gibt. Dieser hält wie jedes Mal auch eine Rede, einen fünfminütigen Abriss darüber, dass die Welt und die Gesellschaft sich gerade immer weiter spalten, dass ihr Heimatland zu einer Hölle für die geworden ist, die keine Menschenfeinde sind, und er spricht darüber, dass man sich eine bessere Welt nicht nur erträumen kann, sondern dafür kämpfen muss. Wieder harter Tobak, aber gut, das passt halt zur Musik. Beendet wird das Set mit dem namensgebenden „No One Was Driving the Car“ und natürlich muss auch das Epos „Environmental Catastrophe Film“ seinen Platz finden. Bold choice, das Ding als Abschluss zu spielen, aber ganz ehrlich, ich glaube, das könnte an dieser Position ein Keeper sein, denn dieser doppelte Aufbau zweier Höhepunkte am Ende macht auch live noch solchen Spaß, dass ich mir kaum vorstellen kann, dass ich an dieser Position nochmal anders in die Nacht entlassen werden möchte.
Erneut gucke ich sehr erfreut auf diesen Abend zurück. Ich bin überrascht, wie beruhigt ein Abend mit La Dispute ablaufen kann, habe in VS Self einen neuen Geheimtipp entdeckt und war endlich mal wieder im Beatpol, inklusive Radfahrt durch die Nacht danach, weil da hinten ja dann jegliche Bahn oder Bus überfüllt ist. Das Einzige, was mir sehr gefehlt hat, waren mehr Songs von Somewhere at the Bottom of the River Between Vega and Atari und Rooms of the House – so ein „Such Small Hands“ hätte doch noch hereingepasst, seien wir doch mal ehrlich! Aber gut, heulen auf ganz hohem Niveau!