Die JOZZ-Konzerte sind am Samstag in die neue Konzertsaison gestartet. Und das gleich mit drei starken Punkbands, die auf ganz unterschiedliche Weise gezeigt haben, wie vielfältig Punk auch 2026 noch klingen kann.
Den Anfang machten TERBINAFIN aus Frankfurt (M.). Die Grungepunkband ist am Mittwoch spontan für die ausgefallenen @pit_dogs_band eingesprungen und hat dafür am Samstag ziemlich ordentlich abgerissen. Eigene Songs, Cover und ein Sound, der mich ziemlich direkt zurück in die 90er katapultiert hat. Um mir dann zu zeigen, dass diese Musik eben nicht nur eine Erinnerung an meine Jugend ist, sondern auch heute noch funktioniert.
Danach DIE BEHÖRDE aus Bremen. Mit ihrem Debüt „Der letzte Arbeitgeber“ machen sie gerade überregional auf sich aufmerksam. Female fronted Post-Punk nennen sie das selbst. Sängerin Müco und die Band dahinter haben jedenfalls jede Menge gesellschaftlichen Unmut im Gepäck – und den haben sie nicht gerade leise rausgekotzt. Ich habe das Album vor einigen Monaten entdeckt und mich seitdem gefragt, wie das live funktioniert. Jetzt weiß ich es. Und ich hatte verdammt viel Freude daran, es herauszufinden.
Den Abend beschlossen FRUSTWUT. Der Name ist Programm: Frust und Wut über das Schulsystem (wie recht sie haben), über den Zwang zur Perfektion und über den Knebel des Algorithmus. Dazu kantiger, harter Post-Punk, der nach zwei bereits intensiven Sets noch einmal ordentlich nachgelegt hat.
Was mich an solchen Abenden aber fast genauso fasziniert wie die Musik, ist das JOZZ selbst. Bands nehmen mehrere Stunden Anreise auf sich, um hier zu spielen. Und das kommt nicht von ungefähr. Hier stimmt das Gesamtpaket: ein engagiertes Team, guter Sound und eine Atmosphäre, in der sich Bands offenbar ziemlich schnell wohlfühlen. Dazu gehören für mich auch die Gespräche am Merchstand und draußen vor der Tür während der Pausen. Zwei Vinyls haben an diesem Abend ebenfalls den Weg in meine Sammlung gefunden. Und es ist genau diese Mischung, die das JOZZ so besonders macht: gute Musik, Menschen, die für diese Musik brennen, und ein Ort, an dem daraus Begegnungen entstehen.
Jugendzentren wie das JOZZ sind keine nette Ergänzung zur „richtigen“ Kulturlandschaft. Sie sind ein Teil davon. Vielleicht sogar einer der wichtigsten. Jugendzentren wie das JOZZ sind immens wichtig für die Musikkultur. Dass mir das am Samstagabend wieder so deutlich vor Augen geführt wurde, dafür waren drei Punkbands und ein ziemlich guter Konzertabend genug.