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Konzertbericht

Der große Rock am Berg 2026 Festivalbericht – Rauchvergiftung, aber wie Zuhause fühlen

29.07.2026 | Dave Mante

Merkers ruft und wie jedes Jahr antwortet das Plattensprung-Magazin mit einem ausgiebigen Bericht.

Seit mittlerweile drei Jahren geht mein Sommerurlaub für Festivals drauf, und am Anfang steht jedes Jahr das Rock am Berg Merkers am Rand von Thüringen. Jedes Jahr nehmen wir dreieinhalb Stunden feinster Autobahnromantik mit Achtziger-Playlists und schlechtem Autobahnkaffee auf uns, um am Ende am gleichen Platz zu zelten wie immer. Und jedes Mal freuen wir uns sehr, wenn wir den Berg zum alten Sportplatz in Merkers hochfahren und das große „FCK NZS“ am Eingang uns mit seinen heimatlichen Gedanken begrüßt. Das heißt immer, dass es jetzt drei Tage Dosengetränke, laute Musik und ganz viel Pyro geben wird. Bisschen wie jedes Jahr zur Ostsee zu fahren, nur ohne den Buggy mit dem Langnese-Eis.

DISCLAIMER

Jedes Jahr tut es mir leid, dass ich kurz diesen Teil in den Bericht einfließen lassen muss, aber wer sich dafür interessiert, weiß, was beim Headliner am letzten Tag passiert ist, bzw. was die Folge war. Der Künstler und die Band sind nicht aufgetreten und im restlichen Text selbst sollen eher die positiven Seiten erwähnt werden. Denn der Großteil der Tage war genau das: schön, lustig und respektvoll. Dass hier jetzt wieder ein Typ davon redet, dass eine FLINTA*-Person etwas „überbewertet“ ist, ist allerdings komplett ekelerregendes Verhalten. Naja, ich wollte es nicht komplett unerwähnt lassen. Kommen wir zum guten Part.

Tag 0 – Aufbau, Zelten, Hotbox

Da waren wir wieder, hinten in der Ecke am Campingplatz eins, direkt am Gelände. Diesmal hat man uns nett eine Ecke mit dem Zaun gebaut, in welche unser Pavillon perfekt hereinpasst, also wirklich, als wäre es Intention gewesen. Also alles aufgebaut, die neue Luftmatratze getestet und festgestellt, dass es wohl die besten 15 Euro der letzten Jahre waren, und dann verwundert sein, dass es in dem Pavillon ungefähr 10 Grad wärmer ist als draußen. Nett, denn dadurch, dass das Rock am Berg Anfang Juni ist, wird es doch noch recht kalt, und da wir letztes Jahr mit dem schlechtesten Wetter begrüßt wurden, ist diese Zuflucht der Raumtemperatur durchaus ein Wohlfühlort.

Tag 1 – Ein bisschen Regen, ein bisschen mehr Pyro

Nach einem halben Tag Warten und gefühlt alle fünf Minuten Menschen hallo sagen geht es dann auf der Mainstage los. Oironie sind wenig Oi, was der Name ja durchaus verrät, und lässt die Tradition, dass das Festival pogbar startet, aufleben. Die ersten Leute tanzen rhythmisch im Pit, und jetzt kommt das Gefühl, wieder hier zu sein, richtig dazu. Das erste Bier, sorry, ich meine natürlich Radler, ist noch kalt, da fängt es zu regnen an. Nicht nur etwas, sondern etwas sehr stark, so stark, dass ich mich zurück ins Camp flüchten muss, um mich etwas wärmer und trockener anzuziehen. Dort finde ich mein gesamtes Camp versammelt und wir warten erstmal ab. Der Regen killt dann eben noch die Technik der kleinen Iuventa-Stage und verschiebt LAKs Gig etwas nach hinten. Die Band kenne ich noch von einem sehr kleinen Konzert im IMI in Brand-Erbisdorf vor ein paar Jahren, daher brülle ich mit, was ich kann. Danach folgt die erste Band, die letztes Jahr für 2026 angekündigt wurde: Krav Boca. Und die sind noch immer komplett bekloppt, inklusive Fackeln auf dem Rücken anzünden, Klamotten zerreißen und sich Gold anmalen. Das wäre schon ikonisch, aber dann sind die musikalisch auch einfach der Wahnsinn. Danach heißt es nicht lange verschnaufen, denn die Herzis von den Melmacs warten. Die sind hier heute hektisch angereist, aber sind hier und vertreiben eben mal nur für ihren Auftritt den Regen. Und naja, Bands, mit denen ich toure, bewerte ich immer ungern, aber Melmacs kannst du halt immer machen. Genau wie Hi! Spencer drüben. Ich fand die Ankündigung ziemlich wild, ehrlich gesagt, die Band hat für mich den Status, eine schnelle Indie-Pop-Rock-Band zu sein, und das sieht man hier in Merkers dann doch weniger, aber Stimmung können die, Menschen singen mit und der Regen ist dann auch vielen egal. Ich merke bei der Hälfte vom Set, dass ich doch mal sitzen muss. Gehe zum Camp, setze mich in die Hotbox und trinke noch eine Spezi aus der Dose und esse eine Banane. Neben uns spielen jetzt Kaput Krauts und zumindest beim ersten Teil des Namens gehen meine Beine zustimmend mit, also eigentlich nicht, weil gehen ist jetzt nur noch zum Klo drin.
 

Highlight des Tages: Krav Boca, auch wenn das erwartet gut war

Überraschung des Tages: Dass der Kaffee mit Schuss morgens mich wirklich mehr hochpowert als gedacht

Stimmung: Schon wieder Regen, aber der Wetterbericht sagt jetzt Besserung voraus.
 

Tag 2 - Sunshine, my only sunshine

Ja, wirklich, es wurde warm in Merkers. Das habe ich seit 2024 nicht mehr erlebt, und es fühlt sich direkt etwas anstrengend an. Mein Körper lässt daher auch erst zu, dass ich erst zu den Trümmerratten, die durchaus einen der besten Gigs des Wochenendes abfeuern sollen, aufs Infield komme. Ich musste dann doch erst meinen Kreislauf beruhigen. Das Abfeuern war natürlich auch metaphorisch gemeint, denn bei mehreren Songs wird es hier bunt vor der Bühne. Wenn ich daran denke, muss ich wieder husten. Wer die Trümmerratten nicht kennt, hat mindestens ein paar der durchdachtesten Blaupausen-Punktexte der letzten Jahre verpasst. Mit Mandel Kokain Schnaps werde ich weiterhin nicht warm. Das ist Reizüberflutung der Art, die dann für mich auch nicht durch die Musik, die ich auch nur okay finde, gerettet werden kann. Der Heiratsantrag ist sweet, ich sammle noch zwei Stunden später Konfetti aus meinen Haaren. Jetzt wird es dann doch eher meine Art von Musik. Für Bittter bin ich mal extra nach Hamburg gefahren und das bisschen Hardcore, was noch nicht zum Schicht im Schacht gewichen ist, nehme ich mit Handkuss an. Die Band schallert noch immer herausragend und es ist deutlich zu schnell vorbei. Die Überraschung des Festivals wartet jetzt auf der Main Stage. Nikra sind wohl die Newcomer im deutschen Post-Hardcore-Rock, irgendwas, also die Sparte, in die ihr Heisskalt einordnen würdet. Und die Band überrascht mich mit Melancholie, Moshpits und sehr viel Energie und Emotion. Die Platte steht jetzt hier. Das war großartig, wirklich. Die Dead End Kids von um die Ecke sind natürlich ebenfalls ein absolutes Highlight, das Glitzerkommando ist immer einen Besuch wert und auch hier sind die gesächselten Gags witzig, wahrscheinlich noch witziger, weil wir in Thüringen sind. Ab hier ist wieder Pause, Rogers und Remote Bondage sind weniger mein Fall, und so schlurfe ich zu Frittenbude nochmal vor die Bühne. Die Erinnerung an früher, wo ich die durchaus viel gehört habe, kickt rein und lässt mich schwelgend zurück. Auch musikalisch ist das hier wirklich gut und der Auftritt schwingt noch etwas länger mit. Häck/Mäck und Aftershow hören wir wie letztes Jahr vom Zeltplatz. Häck/Mäck riecht man durch die Pyro auch ziemlich gut.

 

Highlight des Tages: WARMES WETTER IN MERKERS

Überraschung des Tages: Nikra, hab ich ja erklärt.

Stimmung: Wenn hier jetzt noch Sand und ein Strandtuch wären, könnte es auch ein sehr lauter Strandurlaub sein.


 

Tag 3 – Drücken bis der Bizeps Kreislaufprobleme hat

Ja, der Tocotronic-artige Titel soll suggerieren, dass mit warmem Wetter auch drückendes Wetter kommen kann, und dem ist so. Es ist nicht wirklich sonnig, aber dafür fühlt sich jeder Schritt an wie zwei, denn es ist recht schwül. Das verwehrt mir meinen Mittagsschlaf, und ich gurke nach dem Vortrag am Mittag bis zu den Snouters etwas herum, der Tatratee am 1312-Stand hilft mit seinen 50 % (glaub’ ich), geht runter wie Reinigungsalkohol. Die Snouters sehe ich das ganze Jahr über mehrmals, während ich was anderes tue, und das soll hier auch so sein. NO°RD sind dann leider auch weniger was für mich, dieser sehr emotional-downe Post-Punk verliert mich leider schneller als gehofft, und erst Tigeryouth und vor allem Smile and Burn wecken mich wieder auf. Vor allem Letzteres habe ich immer gut in Erinnerung, und nachdem sich die Band entschieden hat, dass Philipp endlich wieder nur mit Mikro herumlaufen soll, ist das auch alles wieder energetischer geworden. Das macht wirklich viel Spaß. Weniger Spaß habe ich dann bei den Produzenten der Froide, ich muss mich eh nochmal eincremen und ’ne Ibu nehmen gehen. Oi ist weniger mein Ding. Von da an heißt es aber durchpowern. LYGO warten nach zweijähriger Konzertabstinenz auf der großen Bühne. Bisschen deplatziert hängen da dieses kleine Banner und die drei schwarz gekleideten Typen, die ins Mikro schreien, aber natürlich gehören die dahin! Bei "Störche" hole ich mir im Pit drei neue blaue Flecken. Spaß. Nun, eventuell hätten sie mit Acht Eimer Hühnerherzen den Spot tauschen sollen. Denn die überfüllen den Platz vor der Iuventa-Stage. Zurecht übrigens. Die sind absolut unterhaltsam und solider Art-Punk. Aber ich muss nach 5 Songs nach hinten gehen. Das ist mir zu voll hier. 100 Kilo Herz machen den Platz vor der großen Bühne voll. Sehr voll, auch mit Pyro. Das neue Album ist nicht mein Fall, aber Stimmung machen die trotzdem, als wären die sonst wer. Die Rauchvergiftung ist jetzt auch komplettiert. Für mich die letzte Band des Festivals sind die Dream Nails. Der internationale Underground-Geheimtipp, den dieses Festival ja durchaus immer hat. Die machen halt wirklich Spaß, Riot-Girl-Punk, wie man ihn sich wünscht, mit viel Aufforderung, dass die Flinta*s vor die Bühne sollen und die Männer mal zurücktreten können. Mag ich. Was ich jetzt aber noch mehr mag, ist das Gefühl, dass es das war. So viel Spaß wie ich hier immer habe, so gern komme ich danach nach Hause und bestelle ’ne Pizza. Björn Peng ist wie immer sehr laut und die Aftershow, die bekomme ich nicht mehr mit.

 

Highlight des Tages: Neuer LYGO Song, what?!?

Überraschung des Tages: War tatsächlich alles sehr erwartet. Ich war echt zu müde, um das auszuloten.

Stimmung: Müde, Wetter drückt, die Sonnencreme kühlt ein bisschen

Tag 4 – Einpacken, Tschüss sagen, weggefahren, danke sagen

Wie letztes Jahr kopiere ich den Text, den ich 2024 dazu geschrieben habe, da er ziemlich passend bleibt. Auch kopiere ich die Danksagungen, weil das sind ja immer noch die gleichen Dinge, denen man danken sollte.

Viele Bands haben es auf der Bühne bereits gesagt, DIY Festivals sind wichtig, wahrscheinlich wichtiger als jedes Hurricane, Rock am Ring oder Highfield zusammen. Hier bist du nah an allem und jedem dran, hier entdeckst du sicher neue Künstler*innen und hier fühlst du dich schneller wohl und ganz ehrlich, 45 Minuten zum Infield laufen? Fuck No! Also geht bitte mehr auf solche Festivals. Klar, geht auch zu den Großen, wenn ihr unbedingt wollt, aber vergesst nicht, dass das Rock am Berg mehr davon hat, wenn ihr rumkommt und 1-2 Bier mehr trinkt, als Rock am Ring das tut, selbst wenn das Bier da sicher das Doppelte kostet!

Mehr will ich hier eigentlich gar nicht dazu sagen. Ihr habt eh gelesen, was ich ziemlich gut fand.

 

Es folgt nur noch das Wichtigste, ein Dank.

Danke an:

Danke an das Team Ordnung, welches mit viel Sympathie und Awareness an den ehrenamtlichen Job rangeht und sofort mit einem Eimer Sand hinter den Leuten steht, die Pyrozeug zünden und auch am letzten Tag noch Bock haben und lachen.

Danke an das Awareness-Team und die Sanitäter mit dem wohl wichtigsten Job des Festivals, nämlich, dass es uns allen auch am letzten Tag noch gut geht und das ganze angenehm und mackerfrei bleibt!

Danke an das Fototeam, vor allem Nils und Laura, die den ganzen Bums organisieren und sich mit allen Wehwehchen rumschlagen müssen

Danke an all die Menschen an der Technik, die selbst bei den größten Problemen schnell genug da waren, um zu versuchen, schnell etwas zu retten.

Danke an die Menschen von den sanitären Anlagen, eigentlich meide ich Dixiklos, aber das hier waren die saubersten, die ich je erlebt habe, und zwar ausnahmslos immer!

Danke an das ganze Team Außenrum und an den Stunden, das Booking, den Aufbau und Co!

Danke an all die Bands und wer dazugehört!

Danke an den besten Mirko, der uns gefahren und ertragen hat!

Danke an mein Camp, welches neue Leute so wunderbar aufgenommen und immer aufgemuntert und belustigt hat, es braucht noch einen Namen und da wir nicht mehr nur Leute aus Dresden sind, ist „DD – Dumm und Dusselig“ raus. Eventuell wird es dann doch die „Moi!schen“!

Danke an alle, die das hier bis zu dieser Zeile lesen, krass, hätte ich selbst nicht gemacht!

Und danke an alle die, die ich jetzt vergessen habe und denen zu danken ist!

Ach und danke an Tweety und den Vorstand, dieses Jahr nicht für Schnaps, sondern dafür das ganze jedes Jahr zu organiseren!
 

Bis in 2027, das Plattensprung Zine wird natürlich zum Jubiläum da sein!

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