Die weirdesten Playlisten auf Spotify
28.08.2025 | Hermann Breitenborn

Es ist kein Geheimnis, dass das Internet ein sehr merkwürdiger Ort sein kann. Memes sind mittlerweile Popkultur geworden und Brainrot treibt sein Unwesen in den sozialen Medien. Internet-Humor ist ein schräges Phänomen, das sicher nicht alle lustig finden, aber es ist zumindest interessant. Und mit dem Aufkommen des Musikstreamings war es nur eine Frage der Zeit, bis diese Randomness auch Einzug in Playlisten findet. Ich stolperte vor einigen Tagen über eine solche Spotify-Playlist, die mich inspirierte, mal nach den schrägsten Listen zu suchen, die es auf der Plattform gibt.
IcH hÖrE AlLeS aN mUsiK!
Kennt ihr diese Aussage? Häufig kommt sie von irgendwelchen elitären Musiksnobs - spreche da aus Erfahrung, trifft auf mich auch irgendwo zu. Aber der User ‘Things local musicians do’ will diese Aussage mal auf Herz und Nieren prüfen mit der Playlist a playlist for people who ‘like everything’.
Eröffnet wird das Ganze von einer Coverversion von Yellow Submarine der amerikanischen Popsängerin Mrs. Miller. Der erste Abschnitt ihres Wikipedia-Artikels endet mit dem Satz: “Ihre Gesangsfähigkeiten sind umstritten”. Ohje.
Die Playlist bricht alle Regeln der Erstellung eines guten Mixes und scheint dafür auf maximale Irritation zu setzen. Neben dem Friends-Theme (inklusive einer unangenehm langen Dialogsequenz), dem Rock n Roll McDonalds Song (der nur bedingt besser ist als dieses DJ Ötzi Fast Food Verbrechen) gibt es noch den Song Strut von Steven Seagal, den er mit einem falschen jamaikanischen Akzent und dem Satz “Me Wan Da Poonani” eröffnet. Daneben gibt es aber auch zertifizierte Banger: Robot Rock von Daft Punk, I was made for loving you von KISS und Boom, Boom, Boom der Vengaboys. Dazu kommen Tracks, die ich vorher so nicht kannte, die aber durchaus taugen: Wriggle von clipping, Urge von The Wildhearts oder Sexy Train von The Northern Boys. Geskippt habe ich nur den letzten Song, wenn man es überhaupt Song nennen will. Denn FUCK THE SMITH ST BAND ist wie 10,5 Minuten lang einem alten Walkie Talkie zuhören, während man mitten in einem Sturm steht.
Punkt der Sicht
POV-Memes (oder eben ‘Punkt der Sicht’, wie es in einigen Reddit-Threads genannt wird) sind ja bereits ihre eigenen Unterkategorien eines endlosen Katalogs an Internet-Blödsinn. Also war es natürlich nur eine Frage der Zeit, wann sich dieses Meme-Template vom herkömmlichen Bild-Medium löst und auf die Metaebene einer Playlist gehoben wird. Die Regeln bzw. Funktionsweise ist dabei genauso simpel wie genial: der Titel der Playlist gibt den POV wieder, um den es gehen soll und dann wird mithilfe von Songtiteln ein Text dazu gedichtet. Beispiel gefällig? Die Playlist POV: You're Walking Through Ohio besteht aus den sechs Songs: This Place Sucks, There is nothing to do, WELL WOULD YOU LOOK AT THAT, A well Dressed Pack of Dogs in Ohio, That's nice, This Place is Nice. Das alles ist jetzt nicht das neue Maß an Storytelling und stellt mit Sicherheit auch keine ernsthafte Konkurrenz für Schriftsteller und Schriftstellerinnen dar, aber es ist durchaus amüsant zu lesen und versteckt die ein oder andere Punchline. Entdeckt doch selbst einmal dieses verrückte Subgenre mit Playlisten wie POV: How to order a Pizza (diese endet garantiert nicht so, wie ihr es erwartet), A Toaster (diese endet genau so, wie ihr es erwartet), POV: You're a Kid at Disney World and see two Donald Ducks oder mein persönlicher Favorit: You're an Alien Pretending to be a Human (poorly)
It's just the Northern Lights
Vor einigen Jahren erblickte eins der besten Memes aller Zeiten das Licht der Internetwelt. ‘Steamed Hams’ basiert auf der legendären Simpsons-Folge ‘22 Short Films about Springfield’ und zieht seitdem Kreise durch schier unendliche Remixes: Steamed Hams aber es ist Green Days ‘Basket Case’, Steamed Hams aber alle 13 Sekunden wechselt der Animator oder Steamed Hams, aber Quentin Tarantino hat Regie geführt (dieses Video hab ich damals tatsächlich an einem versoffenen Abend mal zusammengeschmissen). So unendlich reproduzierbar, dauerte es nicht lang bis Merch dazu verkauft wurde oder jemand Jeff Goldblum dazu überredet hat, das Script vorzulesen.
Und natürlich darf dann Steamed Hams but it's a Spotify Playlist nicht fehlen. Ciaran Donnely hat dieses Monstrum einer Playlist zusammengestellt, 211 Tracks und 12h 22min Laufzeit um das komplette Script des unter 3 Minuten langen Skits in Songtiteln abzubilden.
What's going on?
Erinnert ihr euch noch an den Moment, in dem das Telefon bei Ozzy Osbourne (RIP) geklingelt hat und von ihm nur ein sehr verwirrtes “What the fuck is that?” kam? Etwas ähnliches hat der User Diego entdeckt, der die Playlist Marvin Gaye's Clueless Ass zusammengestellt hat. Denn über 8 Songs fragt uns die Soul-Legende u.a. What's going on?, Why did I choose you? und Where are we going?.
Bleiben wir noch kurz bei etwas verwirrten Stars und Sternchen. Was wären sie denn ohne ihre höchst eigenen Catchphrases? Matthew McConaughey ohne “Alright, alright, alright”, Flava Flav ohne “Yeeeeaaaahhh Boooooyyyy” und Owen Wilson ohne sein “Wow”. Habt ihr euch schon mal gefragt, wie es sich anhört, wenn Owen Wilson ein Kunstmuseum besucht? Nein? Spotify-User Aaron Gordon schon, das Ergebnis ist die Playlist Owen Wilson walking through an Art Museum. Sie wurde über 3000 Mal abgespeichert und enthält 7 Songs verschiedener Artists, die alle das Wort 'Wow’ auf verschiedene Schreibweisen im Titel tragen.
Die ewige Frage
Jetzt neigt sich dieser Artikel dem Ende und glücklicherweise muss ich mir nicht die Frage stellen, in welcher Schriftart er veröffentlicht werden soll - das ist zum Glück bei Plattensprung alles einheitlich. Aber wer kennt nicht den Struggle beim Bewerbung schreiben oder bei der längst überfälligen Hausarbeit: Times New Roman oder doch Calibri? Spotify-User meltingneptune hat sich diesem Problem auf musikalische Weise genähert. Die daraus entstandene Playlist, mir der ich euch in den Kosmos der schrägen und witzigen Playlists entlassen möchte, konnte bisher über 8000 Saves sammeln und trägt den Namen I can't pick a font for my essay. Viel Spaß bei diesem außergewöhnlichen Hörgenuss.

Hermann Breitenborn
Hermann ist Videoredakteur im Miniatur Wunderland und Co-Host des Podcasts Ja, hier…Filme. Vom Kleidungsstil hängen geblieben irgendwo zwischen 1985 und 2005 geht es bei ihm musikalisch auch meistens nostalgisch zu, wobei von leise bis zu laut alles dabei sein darf.