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Kolumne

2016: Der letzte “gute” Sommer, oder verklärte Nostalgie?

02.04.2026 | Kai Weingärtner

Der Y2K Hype scheint sich so langsam dem Ende seiner popkulturellen Dominanz entgegen zu neigen, und so sucht sich das Internet eine neue Vergangenheit, die es nun gilt, auf ein Podest zu stellen. Aber warum genau 2016?

In diesem Jahr feiert das Fanzine formerly known as “Album der Woche” – Plattensprung – sein 10(!)-jähriges Bestehen. Auch wenn ich mir wünschte, die weitreichend begeisterte Rückschau auf dieses Jahr wäre diesem Umstand geschuldet, es wird wohl kaum an Lucios, wie er selbst sagt “Schnapsidee”, liegen, dass so viele Menschen im Alter zwischen Anfang 20 und mitte 30 gerade das Jahr 2016 verklären. Grund genug ist dieser historische Zufall aber allemal, sich der Nostalgiewelle mal etwas ausführlicher zu widmen. Irgendeinen Grund muss das Ganze ja haben. Begeben wir uns also zehn Jahre in die Vergangenheit. Angela Merkel ist Bundeskanzlerin, auf den Kinoleinwänden des Landes kloppen sich aufgetaute Patrioten und stimmverzerrte Superreiche um die Vorherrschaft über die Blockbuster-Charts, und aus dem Radio tönt “Dark Necessities" von den Red Hot Chili Peppers. So oder so ähnlich habe ich zusammen mit vielen Altersgenoss:innen den Frühsommer 2016 erlebt. Ich stand kurz vor den Vorabi-Klausuren, besuchte im Juni mein erstes großes Festival in der Vulkaneifel, wo mir die bereits genannten Kalifornier zusammen mit Billy Talent einen formativen Samstagabend bescherten, und generell schien alles irgendwie in Ordnung. 

Dass ich und meine Mitmenschen diese Zeit so positiv in Erinnerung haben, dürfte unter anderem auch an dem Punkt im Leben liegen, an dem wir uns befanden. Das Ende der Schulzeit stand bevor und für alle lag gleichermaßen das Gefühl von einem letzten Aufbäumen und der Antizipation des Aufbruchs ins Erwachsenwerden in der Luft. Dass 2016 also gerade in des sozialen Medien (vornehmlich Instagram) so zelebriert wird, könnte dementsprechend auch etwas damit zu tun haben, dass sich vor allem eine bestimmte Altersgruppe, die zufälligerweise auch sehr präsent in diesen Medien auftritt, wohlig an diese Zeit zurückerinnert. Zwei Anekdoten aus Gesprächen mit anderen Menschen sprechen eine andere Sprache: Als ich meine Idee für diesen Text in unserer Redaktionssitzung erwähnte, runzelte Frank nur verständnislos die Stirn. Ausgerechnet unser Autor mit einer eigenen Serie nur zum Thema Nostalgie versteht scheinbar nicht, wie man sich ausgerechnet ins Jahr 2016 zurücksehnen kann. Und warum sollte er auch? Während ich mir mit meinen Freund:innen in den Ferien Dosenbier auf einem Kanu einverleibt habe, stand Frank vermutlich in der Schulklasse vor ähnlich unaufmerksamen Spät-Teens und musste sich zusammenreißen, denen nicht angesichts ihrer nervtötenden Naivität mal ordentlich die eigene Unwissenheit vor Augen zu führen. Aber es braucht nicht direkt zwei Jahrzehnte Altersunterschied, um eine andere Sicht auf diese Zeit zu haben. Als ich vor einiger Zeit auf einer Party mit ein paar Leuten über den 2016-Hype gesprochen habe, konnte eine meiner Gesprächspartnerinnen das überhaupt nicht nachvollziehen, und das obwohl nur ein paar Jahre Altersunterschied zwischen uns lagen. Im Gegensatz zu mir steckte steckte sie 2016 aber mitten im Medizinstudium, was wohl selbst für die stressresistentisten Studierenden eine Krisensituation bedeutet.

Dazu kommt, dass wir als Menschen auf Dauer dazu neigen, eher die guten Momente aus der Vergangenheit wieder aufzurufen als die schwierigen Situationen. Legt man nämlich die übersättigten Filter mal kurz beiseite und wühlt sich durch die Nachrichtenlage von vor zehn Jahren, ist das Bild auf einmal sehr viel düsterer, als es uns die Eisdielen-Instastories unterlegt mit Beyoncés “Lemonade” weismachen wollen: Wir starten direkt mal mit der berüchtigten Kölner Silvesternacht, einem Moment, der wie Öl auf das schwelende Feuer der faschistischen Bewegung mit der AfD im Zentrum fällt. Zehn Jahre später und wir müssen uns ernsthafte Sorgen darüber machen, ob und wenn ja in wie vielen Landtagen die Rechtsextremisten am Ende des Jahres die Regierungsgeschäfte bestimmen werden. Und auch andernorts birgt 2016 eine unschöne Originstory. Im Herbst wird ein gewisser Donald J. Trump erstmals ins Amt gewählt und bekommt daraufhin 4 Jahre Zeit für seine ersten Gehversuche als Diktator von übermorgen. Heute ist er wieder da, und diesmal hat er eine radikalisierte Meute von Tech-Milliardären im Rücken, die übrigens 2016 mit der Einführung der personalisierten Timeline-Algorithmen einen maßgeblichen Beitrag zu den Filterblasen und Radikalisierungseffekten geleistet haben, die dafür gesorgt haben, dass ihr euch an Ostern mit euren Onkeln nicht mehr unterhalten könnt, weil die nach zwei Sätzen sofort in menschenverachtende Schwurbeltiraden abbiegen. Ach ja, und außerdem hatten wir 2016 ja auch noch den Brexit und einen mutmaßlich von einem weiteren Möchtegerndiktator inszenierten Putschversuch in der Türkei. Klingt jetzt in der Rückschau gar nicht so viel besser als die letzten paar Jahre, oder?

Aber vielleicht ist es auch genau dieses Gefühl davon, dass die Entwicklungen, die uns heute nicht schlafen lassen, ihre Anfänge vor zehn Jahren hatten. Dazu gehört auch der Eindruck, man könne als Gesellschaft da noch irgendwie korrigierend eingreifen. Vielleicht überwiegt in den Erinnerungen an 2016 einfach der Optimismus, den uns unsere frisch aus der Taufe gehobenen Algorithmen noch in den Hals gestopft haben. In der Kunst von vor zehn Jahren scheint sich dieser Optimismus bei genauerem Hinschauen allerdings auch nicht widerzuspiegeln, auch wenn zumindest die Musikwelt scheinbar ein kleines bisschen “normaler” gewesen zu sein scheint. Immerhin ist Kanye West zu diesem Zeitpunkt “nur” ein exzentrischer Egomane und noch kein Neonazi, und releast mit “The Life of Pablo” immerhin noch eins seiner heute gefeiertsten Alben. Beim Blick auf die Releases über das Jahr hinweg fällt direkt eines auf: Die Woche hat sieben Tage. Klar, auch damals schon lagen Album-Veröffentlichungen oft auf einem Wochenende, einfach weil die Leute da tendenziell mehr Zeit und Muße haben, sich mit neuer Musik zu beschäftigen (und sie hoffentlich auch zu kaufen), aber das Konzept “Releasefriday” steckt noch in den Kinderschuhen – denn wir erinnern uns, die Personalisierungsalgorithmen haben gerade erst ihre unsichtbare Hand ausgestreckt, um uns den Rundumblick abzuschirmen.

Neben Kanye West gehört das Pop-Jahr 2016 den großen Namen des R’n’B. Frank Oceans “Blonde”, Beyoncés “Lemonade”, Bruno Mars’ “24K Magic” und The Weeknds “Starboy” erscheinen alle in diesem Jahr. Aber auch Namen, die heute aus der Musikindustrie nicht mehr wegzudenken sind, hatten 2016 ihre “bescheidenen” Anfänge. BTS veröffentlichen 2016 gleich drei Alben, Vorboten des gigantischen K-Pop-Hypes, der die Musikwelt auch 10 Jahre später noch fest im Griff hat. Derweil gehen anderswo auch Äras zuende, denn mit “Moonshaped Pool” kommt das bis dato letzte Album von Radiohead (auch wenn Thom Yorke und Co. mit The Smile weiterhin Musik machen). Ganz verabschieden mussten wir uns unterdes von David Bowie, der Anfang des Jahres verstirbt, nicht ohne uns mit “Blackstar” eines seiner besten Alben zu hinterlassen. An wem diese Platte bis heute vorbeigegangen ist: holt es nach! “Blackstar” ist eine fantastische Meditation über das Altern als Künstler und die Konfrontation mit der eigenen Endlichkeit. Ein würdiger letzter Akt für einen der größten Künstler aller Zeiten.

Mit Bowie stirbt auch der Rock, zumindest beteuern das – wie in jedem Jahr seit Kurt Cobains Tod – weite Teile der Musikmedienlandschaft. Und wenn man sich einige der Übeltäter anschaut, kann man es ihnen zumindest 2016 nichtmal übel nehmen. Greenday haben den Scheitelpunkt ihres Balanceakt aus Punkwurzeln und Mainstream-Appeal mit “Revolution Radio” endgültig überschritten und alternde Lederjackenrocker wie Metallica und Volbeat grugeln in diesem Jahr wieder einmal den selben halbverdauten Brei wie die letzten zehn und die nächsten zehn Jahre hervor. Wie immer lohnt es sich aber, auch mal in die Reihen hinter den großen Namen zu blicken, denn da finden sich schnell auch wieder großartige Alben aus dem Kosmos Gitarrenmusik. Ich bin zwar schon lange kein Fan mehr von Metalcore, aber “All Our Gods Have Abandoned Us” von Architects soll ja eines der besten Alben des Genres sein, hat man mir gesagt. Gitarrennerds dürfen sich 2016 mit “Nonagon Infinity” über eines der zentralen Alben aus dem unendlichen King Gizzard & The Lizard Wizard Katalog freuen, und traurige Schreihälse bekommen mit Touché Amorés “Stage Four” ein brachiales Emo-Album aufgetischt. Und auch hierzulande geht ein Ruck durch den Kosmos der Rockmusik, als Heisskalt ihr Magnum Opus “Vom Wissen und Wollen” veröffentlichen. Ein Album, dessen Einflüsse sich trotz achtjähriger Bandpause bis heute wie ein roter Faden durch weite Teile der deutschen Brüllmusik ziehen.

Gerade in der Gitarrenmusik fällt dann aber doch eines auf. So gut wie alle Künstler und Alben, die ich hier gelistet habe, haben ein paar Sachen gemein: Sie sind sehr weiß, und sehr männlich. Das kann verschiedene Gründe haben. Zum einen habe ich als weißer Mann sicherlich auch irgendwie einen vorgefilterten Blick auf diese Listen, zumal mein zehn Jahre jüngeres Ich, das diese Zeit erlebt hat, da auf jeden Fall noch deutlich weniger sensibilisiert war, zum anderen gibt es vielleicht auch gewisse sexistische Tendenzen in der Rückschau, die dazu führen, dass Artists, die auf die eine oder andere Art und Weise nicht dieser Monokultur entsprechen, unterrepräsentiert werden. Das alles mal bei Seite, ich habe trotzdem den Eindruck, dass sich seit 2016 gerade in Rock, Metal und Punk viel in Sachen Diversität getan hat. Versteht mich nicht falsch, das ist bei Weitem nicht genug, ganz zu schweigen davon, dass so etwas wie “genug” in puncto Kunst und Diversität sowieso ein schwachsinniges Konzept ist, aber das junge Bands wie The Last Dinner Party heute Festivals headlinen, ist dann doch eine positive Entwicklung gegenüber 2016, um den Kulturpessimismus mal ganz kurz beiseite zu legen.

Als ich für diese Text durch die Releasekalender des Jahres 2016 gewühlt habe, habe ich sie dann doch kurz gefühlt, diese Nostalgie nach der Vergangenheit. Neben dem wohligen Gefühl der Wiedererkennung bei Namen wie Biffy Clyros “Ellipsis” war da aber auch dieses Gefühl, das ich am treffendsten als Secondhand-Nostalgie beschreiben würde. Mir ist aufgefallen, dass viele Alben, die ich heute abgöttisch verehre, 2016 erschienen sind. Allerdings habe ich die jeweils erst sehr sehr viel später entdeckt. Es ist zwar möglich, dass sich dieses Gefühl auch bei anderen Jahren einstellt, wenn man sich mal bewusst auf die Suche begibt, aber die Hitdichte dieses Jahres schien mir dann doch bemerkenswert. Death Grips waren mit ihrem Album “Bottomless Pit” eine der ersten Kreuzverhör-Berührungspunkte, die ich bei Album der Woche hatte, und einige Jahre später war mein erster eigener Beitrag zu diesem Format Yussef Kamaal mit “Black Focus”, ebenfalls 2016 erschienen und bis heute eines meiner Lieblingsjazzalben zusammen mit Virtas “Hurmos”, das – you guessed it – auch 2016 rauskam. Experimentelle Bands wie Sumac und Swans haben ebenfalls 2016 Alben veröffentlicht, als ich noch überhaupt keinen Plan davon hatte, dass es so eine Art von Musik überhaupt gibt, und vor allem nicht, dass ich sie mögen könnte. Die beiden Alben dieser Kategorie, die mir aber mit Abstand am meisten am Herzen liegen, sind clipping.s “Splendor & Misery”, eine der großartigsten Verflechtungen von Rap und Storytelling und völlig zurecht für den fucking Hugo Award nominiert, und bon ivers “22, A Million”, dessen außerweltliche Klänge wohl die nächste Approximation eines LSD-Rauschs sind, die ich je erfahren werde. 

Und, ist der Hype nun gerechtfertigt, oder war 2016 am Ende doch ein Jahr wie viele andere? Ja und ja. Nostalgie ist etwas so individuelles, dass ein Urteil darüber quasi unmöglich und schon gar nicht zielführend ist. So verhält sich das allerdings auch mit Musikgeschmack, und trotzdem schreibe ich jetzt seit sieben Jahren meine Meinung dazu ins Internet und hänge eine Punktewertung dran. Das wird mich also auch hier nicht aufhalten. Ich denke, wir sollten vorsichtig damit sein, uns zu sehr an eine durch eigene Erfahrungen verzerrte Wahrnehmung einer vermeintlich besseren, leichteren oder sonst wie anderen Vergangenheit zu klammern, schließlich ist eine aufgeklärte Geschichtsbetrachtung nicht ganz unwesentlich dafür, bestimmte Fehler in der Zukunft nicht oder zumindest nicht nochmal zu machen. Und zehn Jahre später das alte Instagram-Logo abfeiern sollte uns zumindest nicht daran hindern, den Konzern, der dieses Logo mal entworfen hat, für seine menschenverachtende Praxis zu kritisieren. So jetzt aber genug Moralkeule. Um auf einer positiven Note zu enden: der Blick zurück lohnt sich allein schon deshalb, weil man Kunst entdeckt oder wiederentdeckt, die einem damals und heute etwas bedeutet hat. Und mit ein bisschen Glück findet man sogar was völlig neues, und hat dann die Chance die Vergangenheit nochmal aus einer neuen Perspektive zu durchleben.

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