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Interview

Niko Huber von Bird's View: Into The Big Leauges

15.10.2026 | Nataly Sesic

Sie werden als Frankfurts coolste Rockband gehandelt: Bird's View beschwören den Seattle Sound der späten 90er und früher 2000er Jahre herauf. Ich spreche mit Niko Huber inmitten der Sommertour, irgendwo zwischen Alternative und Affenhitze.
©
Nataly Sesic

2018, gerade mal zwei Jahre nach der Gründung im hessischen Rodgau, feiern Bird's View gleich zwei Erfolge: Erst erscheint ihre Debüt-EP (Caleidoscope). Dann werden sie in demselben Jahr mit dem Deutschen Rock & Pop-Preis ausgezeichnet. 

Das inzwischen dritte Studioalbum, Above Chaos, erscheint unter dem neuen Eigen-Plattenlabel Yoke Buben und wird von Scumbucket-Alumnus Kurt Ebelhäuser produziert. Dem ist sicher auch das kuriose „Otro Dia“-Cover auf der Platte geschuldet. 

Der zweite sicher unerwartete Name im Wikipedia-Eintrag der Band ist Plattensprung-Leser:innen sicher geläufig – nämlich meiner. Ich entdecke Bird's View nämlich während meiner Zeit als freie Redakteurin für VISIONS. Und weil es mir Above Chaos richtig angetan hat, kann ich nicht anders, als die Frankfurter Jungs in einer Art journalistischem Multiverse of Madness auch zu Plattensprung rüber zu holen.

Ich treffe Sänger und Gitarrist Niko Huber im Lost Weekend in München, um mit ihm über die neue Platte und die laufende Tour zu sprechen. Zwischen Bierkästen und bei einem Tonpegel Level Kneipe unterhalten wir uns über die Freuden der Feuchtigkeit bei Konzerten. Wer nicht mindestens drei Mal vom Sänger angespuckt wurde, war nicht bei einer Rock-Show – finden wir beide. „Nach drei bis vier Songs regne ich nur so vor Schweiß,“ meint Niko. „Also Respekt an die Leute, die in der ersten Reihe stehen wollen.“

Bird's View machen Alternative Rock. Auf ihrem Instagram-Kanal beschwören sie die Rock-Fans der frühen 2000er – kein Wunder, die gesamte Medienlandschaft wird überschwemmt von einer Welle der Nostalgie, und ich, wie alle respektablen Elder Millennials, wünsche mir 2003 zurück. Und wenn das schon nicht reell umgesetzt werden kann, dann wenigstens musikalisch. 

Für Niko ist es weniger Marketing und mehr Emotion. Alice In Chains, Nirvana, Queens Of The Stone Age – das ist die Musik, zu der sie alle groß geworden sind. Das fühlt sich wie Heimat an. Der Band war es am wichtigsten, dass sie nicht das Gefühl haben, dass ihnen eine Richtung aufgedrückt wird. Sie haben sich immer ein bisschen wie Außenseiter gefühlt – und das ist gut so. 

Above Chaos erscheint als erste Platte unter Yoke Buben als Eigenverlag, nachdem die ersten zwei Alben über Drakkar Entertainment kamen. Als der Product Manager, der dort für die Jungs zuständig war, die Firma verlässt, entscheidet sich auch die Band für neue Wege. Es ist riskanter als zuvor, in Vieles muss selbst investiert werden, der Künstler wird an manchen Stellen zum Manager. Gleichzeitig freut sich Niko darüber, wie viel mehr Freiheit in dieser Konstellation für sie drin ist. 

Above Chaos ist das Ergebnis einer schwierigen Zeit. Musikalisch wie philosophisch ging es hier darum, einen Weg durch zu finden. Niko beschreibt den Stil der Platte als „positive Aggressivität“. Und weil die Platte unter einem abgedunkelten Himmel entstanden ist, ist es umso schöner, auf Konzerten zu sehen, wie das Publikum zu ihrer Musik einfach mal loslässt. „Es ist scheißegal, ob da fünf oder 30 oder 200 oder 2000 Leute stehen,“ so Niko. „Ich sage immer: Sei dankbar, dass du Konzerte spielen darfst, und gib den Leuten, die für dich und deine Mukke gekommen sind, die bestmögliche Zeit.“

Nach einigen erfolgreichen Touren als Vorband – unter anderem für Soulfly und Skid Row – wollen Bird's View jetzt als Headliner durchstarten. 

Für Niko ist der Kontakt zu den Leuten am wichtigsten. „Du bist lange im Studio und in deiner Bubble und verlierst dadurch so ein bisschen den Bezug nach außen,“ sagt er. „Und dann kommst du endlich aus deiner Bubble raus, spielst Konzerte und siehst, wie die Leute das aufnehmen. Wie gewisse Songs eine eigene Bedeutung für sie gewinnen. Das ist richtig schön.“ 

Im November sind Bird's View wieder unterwegs, diesmal in Köln, Hannover, Hamburg, Leipzig und Frankfurt. Tickets gibt es über ihre Website. 

Nataly Sesic

Unter Freund:innen weiß man: Wenn du neue Musik auf die Ohren brauchst, fragst du Nataly. Als Maximalistin im wahrsten Sinne des Wortes liebt sie „too much“: sei es Pop der 2010er, Rock der 80er oder mysteriöse Subgenres irgendwo zwischen tumblr und Totalausfall; Nataly hat dazu eine Meinung - und sicher einige Fun Facts parat. Wenn sie nicht gerade auf einem Konzert ist, macht Nataly die Hallen ihrer Universität unsicher, schreibt oder liest Bücher oder hat selber die Gitarre in der Hand.

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